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Ausgabe Mai/Juni 2004
Das Tao der Frau - Der weibliche Weg in die Unabhängigkeit

Maitreyi Piontek, über wichtige starke weibliche Wurzeln.

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Immer mehr Frauen bemühen sich, aus alten Abhängigkeiten und Begrenzungen herauszuwachsen und neue Dimensionen ihrer Weiblichkeit zu erforschen. Dazu brauchen sie weibliche Wege. Solange Frau sich überwiegend in männlichen Energiemustern bewegt, kann sich ihr weibliches Potenzial nicht entfalten. Die Sexualität von belastenden Mustern und Gewohnheiten zu befreien, spielt dabei eine essentielle Rolle. Ein Teil der weiblichen Verantwortung besteht darin, die weibliche Matrix mit lustvollen und positiven Qualitäten zu nähren. Dazu muss Frau in sich gehen, in den tiefsten Abgrund eintauchen und ihre Heilkraft und ihr Bewusstsein dorthin fließen lassen. Es ist hilfreich, die Psychologie der verletzten Frau zu kennen, um die komplizierten Ausweismanöver und Ablenkungsstrategien zu erkennen, die die weibliche Heilung routiniert und unbemerkt verhindern.

Feuer – das männliche Prinzip
Aufgrund der verletzten Weiblichkeit haben viele Frauen ihre innere Heimat aufgegeben. Ihr Leben wird vom Feuer regiert. Feuer symbolisiert das männliche Prinzip. Das Feuer ist extrovertiert und kämpferisch, es dehnt sich aus und drängt unentwegt nach oben – zum Höhepunkt. Der Weg des Feuers ist leidenschaftlich, explosiv, beeindruckend und sehr bewegt. Er wird vom Verstand bestimmt und ist überfüllt mit Aktivitäten und sozialen Kontakten. Ein solcher Lifestyle hat zur Folge, dass die Produktion männlicher Hormone angeregt wird. Aber ein erhöhter Testosteronspiegel gibt Frauen nie das Gefühl von unbeschreiblich weiblich, sondern führt zu innerer Unruhe und Kopflastigkeit. Die Weiblichkeit braucht weibliche Hormone, um sich optimal zu entfalten. Das Männliche braucht Disziplin und Kontrolle, um auf einem hohen Energieniveau leben zu können. Das Weibliche hingegen braucht Hingabe und Individualität, um sich zu entfalten. Es braucht zuverlässige Techniken, um das männliche Feuer unter Kontrolle zu halten. Wird die weibliche Sexualität kontrolliert, verliert sie ihren natürlichen Fluss und ihre Kraft.
Die Hitze des Feuers wandelt Wasser zu Wasserdampf. Bei einem stressigen Lebensstil (Feuer) kann die Weiblichkeit (Wasser) regelrecht ”verdampfen“. Andererseits kontrolliert Wasser das Feuer. Dazu braucht es starke heilende Kräfte. Um Ideale und Ziele lustvoll und erfolgreich umzusetzen, ohne sich dabei zu verlieren, benötigt Frau starke weibliche Wurzeln.

Der weibliche Weg
Intensiver, ekstatischer, emotionaler soll es sein – der unermüdliche Weg der Selbstfindung kennt keine Grenzen. Die meisten Therapien, Trainingsmodelle sowie Meditationstechniken sind auf männliche Energiemuster abgestimmt und eignen sich nicht, das Weibliche zu stärken. Probleme werden aufgewirbelt und durcheinander geschüttelt, damit sie hochkommen. Auf dem weiblichen Weg brauchen Emotionen nicht aufzukochen (der Weg des Feuers), sondern das Bewusstsein und die heilenden Kräfte werden in die Tiefe gelenkt (der Weg des Wassers). Hier werden Gefühle nicht mit disziplinierten Körper- und Energieübungen kontrolliert, sondern geheilt. Auf dem weiblichen Weg hat der Verstand keine Retterfunktion. Die lautstarken, einleuchtenden Erklärungen, mit denen er die sensible Innenwelt dominieren will, haben auf dem weiblichen Weg keinerlei Bedeutung. Das Weibliche befindet sich an einem Ort, wo weder Gedanken noch Worte jemals Zugang haben. Der Verstand muss lernen, diese Tatsache zu akzeptieren. Setzt er sich trotzdem in Szene, verziehen sich die verletzten Gefühle eingeschüchtert tiefer ins Unbewusste und werden immer unerreichbarer. Im unbewussten Zustand ist das Weibliche geschwächt und somit kontrollier- und manipulierbar.

Wasser – das weibliche Prinzip
Wasser ist das Symbol für Weiblichkeit. Wasser ist der Wegweiser. Wasser ist flüssig und fließt unentwegt nach unten, um sich im tiefsten Punkt zu sammeln und zu ruhen. Der Weg des Wassers ist der Weg der Hingabe. Weiblichkeit ist keine Aktivität, sondern ein Zustand, der zugelassen und genossen werden will. Qualitäten von Wasser sind das Aufnehmen und Speichern. Ohne es zu merken, nehmen Frauen oft Emotionen, Schwingungen und Gedanken in sich auf. Dadurch wird das klare Wasser trüb und verwandelt sich in einen inneren Sumpf. Das hat zur Folge, dass sich viele Frauen in ihrem Innern nicht wohl fühlen und Probleme mit der Gebärmutter bekommen. Die Befreiung der Gebärmutter ist ein wesentlicher Bestandteil der weiblichen Heilung, denn sie ist die vergessene Kraftquelle der Frau und der Sitz der weiblichen Weisheit.

Meditieren und therapieren
Der weibliche Weg bedeutet meditieren statt therapieren. Nach dem Motto “selbst ist die Frau” sind Frauen alleine für die eigene Entwicklung verantwortlich. Niemand sonst hat Interesse, dass eine Frau stark und unabhängig ist. Auf dem weiblichen Weg ist es wichtig, selbst den ersten, zweiten und dritten Schritt zu tun und auch bereit dazu sein, notfalls jeden Schritt zu wiederholen. Die Wasserkraft verleiht dazu die notwendige Beständigkeit. Das Tao der weiblichen Sexualität ist der Weg, die weiblichen Schätze zu entdecken und zu rehabilitieren, damit sie Frau als unterstützende Kraftquellen dienen können. Dazu gehören u.a. die Magie der Brüste, das heilende Blut, die Hormone, die Gebärmutter und die Kraft der Gefühle. Das Potenzial der weiblichen Sexualität kann sich entfalten, unabhängig davon, ob Frau ihre Sexualität teilt oder sie als innere Kraftquelle für sich genießt. Die weiblichen Schätze ermöglichen es, die eigenen Visionen umzusetzen und lustvoll zu leben. Sie begleiten Frau auf ihrem Weg in die weibliche Unabhängigkeit.
Maitreyi Piontek: Sexualtherapeutin, Heilerin und Meditationslehrerin aus der Schweiz, Autorin der Bücher “Das Tao der Frau”, “Das Tao der weiblichen Sexualität” und “Die Weiblichen Juwele”.


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