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Ausgabe März/April 2004
Geistige Dimensionen

Clemens Kubys Reise zu Heilern und Schamanen

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Clemens Kuby hat mehrere Dokumentarfilme über Tibet, Buddhismus und Reinkarnation gedreht. In seinem letzten Film “Unterwegs in die nächste Dimension” dokumentiert er seine Reise zu Heilern und Schamanen. Letztes Jahr erschien das gleichnamige Buch, in dem er nicht nur seine Begegnungen beschreibt, sondern auch über die alltäglichen Auswirkungen der unterschiedlichen Weltanschauungen. Haidrun Schäfer greift einige Ideen anlässlich eines Tagesseminars mit Clemens Kuby in Frankfurt aus dem Buch auf.Mit 33 Jahren fiel Clemens Kuby aus seinem Dachgeschoss und verbrachte mehrere Monate im Krankenhaus mit der Diagnose querschnittsgelähmt. Er beschreibt, wie sich in dieser Zeit sein Ego zurückzog, so dass er einen Kontakt zu seiner Seele spürte, die den Wunsch nach Bewusstseinserweiterung äußerte. Ohne zu wissen, wo er die Suche beginnen sollte, fand er nach langen Überlegungen fünf Kriterien für einen Ort, wo das möglich sein könnte: Ein Ort ohne Straße, ohne Elektrizität, ohne Tourismus, ohne weißes Mehl und ohne Zucker. Ein paar Tage später schickt ihm der Zufall seinen Freund Fritz, der so einen Ort kannte: Ladakh. Sie planten zusammen, dort einen Film über die unzivilisierten Menschen zu drehen.

Mit dieser Idee als Motivation schaffte es Clemens Kuby, trotz seiner attestierten Querschnittslähmung wieder Laufen zu lernen, was nach medizinischem Verständnis weder möglich war noch ist. Nach seiner Genesung löste er sein Versprechen ein und bereitete eine Reise nach Tibet vor, um dort zu drehen. Zum Einstieg in das spirituelle Bewusstsein durfte er “zufällig” den Dalai Lama treffen und mit ihm einige Tage verbringen. Durch diesen Kontakt genießen er und sein Team höchste Kooperation und Zuneigung vonseiten der Tibeter.

Unterschiedliche Forschungsgebiete
Das alltägliche Leben in Ladakh ist von gegenseitigem Respekt und Mitgefühl geprägt. Der Buddhismus erforscht seit mehr als 2.500 Jahren den Geist, während sich die Forschung in den westlichen Ländern auf die Materie konzentriert. Am deutlichsten zeigt sich der unterschiedliche Interessenansatz in der Sprache. Die Tibeter haben nur ein Wort für alles Technische: Moto kann sowohl Kamera als auch Computer oder Auto bedeuten. Andererseits haben sie 20 Begriffe für Bewusstsein. Aus diesem Grund ist es sehr schwer, das tibetische Schriftgut zu übersetzen – es fehlen ganz einfach die Worte.

Geist und Materie
,,Am Anfang war das Wort.” Logos bedeutet nicht nur Wort, sondern auch der Geist. Bevor etwas materiell Gestalt annimmt, muss es der Geist erschaffen haben. Ohne Gedanke keine Tat: kein Buch, kein Film und kein Tisch. Materie ist also ein Ergebnis von Verdichtung und Strukturierung geistiger Impulse. Wenn der Geist Voraussetzung für Materie ist, wie kann Materie dann stärker sein als der Geist? Der Geist bestimmt mein Schicksal. Das beginnt damit, dass aus meinen Gedanken Worte werden und diese Worte zu Handlungen führen. Handlungen wiederum werden zu Gewohnheiten. Gewohnheiten bilden meinen Charakter und mein Charakter wird zu meinem Schicksal. In der Hierarchie des Daseins geht alles vom Geist aus.
Fühle ich mich mit den vorhandenen Bedingungen und Umständen unwohl und mag meinen Plan trotzdem nicht ändern, liegt das daran, dass in meiner Weltanschauung darauf bestanden wird, Materie sei stärker als Geist. Das Prinzip, einen einmal gefassten Plan durchzusetzen, erweist sich meist als stur und unflexibel. Im Leben führt niemals nur ein Plan zum Ziel, sondern es hält Wege bereit, die mehr als überraschend sind. Ihnen gilt es zu folgen und dafür sind Flexibilität, Offenheit und Orientierung an der Priorität des Geistigen erforderlich.

Knowledge Frame
Mit unserer materialistischen Betrachtungsweise glauben wir, dass die Materie stärker ist als der Geist. Wir versuchen, den Geist in einem Körperteil zu lokalisieren wie z.B. im Gehirn, Bauch oder großen Zeh. Aber wie will man materiell beweisen, dass etwas materiell nicht existiert? Es gibt eine physikalische Formel, die ausdrückt, dass der Betrachter durch das Betrachten das Betrachtete beinflusst (Heisenberg’sche Unschärferelation). Das Betrachtete ist immer ein subjektiver Eindruck und deshalb kann es eine objektive Wahrheit nicht geben. Hirnforscher nennen den Bereich, in dem sich das Bewusstsein eines Menschen bewegt, den Knowledge Frame. Normalerweise suchen wir den Grund für ungute Gedanken, Gefühle und Leiden nicht im Knowledge Frame, sondern in äußeren Bedingungen wie Wetter oder streitfreudigen Nachbarn. Aber wenn ich davon ausgehe, dass der Geist stärker ist als die Materie, lässt sich vieles ändern, um sich wohl zu fühlen.

Wirksame Illusionen
Die Fähigkeit unseres Geistes, materiell erfahrbare Wirklichkeit zu erschaffen, ist die Grundlage geistigen Heilens. Wir gehen ins Kino oder Theater wegen der Illusionen. Wir bekommen echte Gefühle und körperliche Symptome, obwohl jeder weiß, dass der Auslöser ein Fake ist – oder in der Sprache der Mediziner – Scharlatanerie. Die Fähigkeit unseres Gehirns besteht darin, der Absicht Wirkung verleihen zu können. Wir sollten einem Heiler mit Vertrauen begegnen, denn mit welchen Tricks er arbeitet, interessiert beim Regisseur auch nicht. Um einem Heiler zu vertrauen, befasse ich mich mit seinem Charakter, seiner Motivation und seinem Glauben, nicht mit seinen Methoden. Wenn mich seine Attribute des Menschseins überzeugen, ist er mein Heiler. Damit verleihe ich ihm die Kraft, die er braucht, um bei mir mit seiner Absicht Erfolg zu haben. Dem Gehirn genügt eine Illusion, um etwas Körperliches auszulösen. Es bedarf keiner realen Aktion, Chemie oder Strahlen, um die Gehirnfunktion in Gang zu setzen.


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