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Ausgabe März/April 2004
Wege zu neuem Körperbewusstsein - Feldenkrais, Osteopathie, Rolfing und Craniosacral

Einführung von Robert Schleip

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Die Feldenkrais-Methode
Der israelische Physiker Dr. Moshe Feldenkrais arbeitete mit ausgeklügelten und meist sehr sanften Bewegungen des Skeletts, die ein Neu-Lernen im Nervensystem bewirken sollen. Deshalb betonen die Feldenkrais-Pädagogen, dass es sich bei dieser Methode nicht um eine Therapie handelt (im Sinne einer Arzt-Patienten-Rollenverteilung), sondern um ein ganzheitliches Lernverfahren.
Unter dem Namen “Bewusstheit durch Bewegung” wird die Feldenkrais-Methode als Gruppen-Anwendung angeboten. Typische Szene: Erwachsene Menschen liegen auf dem Boden und experimentieren damit, die müheloseste Art herauszufinden, um sich vom Rücken auf den Bauch zu drehen. Beginnt die Drehbewegung mit dem Kopf oder mit dem Becken? Und wie ist es, wenn die Bewegung mit den Augen beginnt? Nicht selten entdeckt man dann nach dem Kurs beispielsweise beim Ausparken, dass der Wendekreis des Kopfes viel freier geworden ist. Und das ohne jede Dehnungsarbeit oder sonstige schweißtreibende Anstrengung.

Zusätzlich zu den Gruppenlektionen gibt es auch Einzelsitzungen in “Funktionaler Integration”. Hier macht man meist selbst keine aktiven Bewegungen, sondern unserem Nervensystem werden durch Anfassen und Bewegen seitens des Lehrers neue Bewegungs-Zusammenhänge erkennbar gemacht. Ähnlich wie bei der Homöopathie gilt hierbei das Prinzip “weniger ist mehr”: je feiner eine Bewegung, umso größer ihre Wirksamkeit. Daher ist die Feldenkrais-Methode ganz besonders für solche Menschen geeignet, die mit leistungsorientierter Fitness oder Sport ihre Schwierigkeiten haben. Normale bequeme Straßen- oder Hausbekleidung genügt also. Die Jogging-Pulsuhr und das Aerobic-Mützchen im Piraten-Look können hingegen getrost zu Hause gelassen werden.

Osteopathie
Ähnlich behutsam geht es meist bei der Osteopathie her, die aus den USA kommend eine Alternative zur deutschen Chiropraktik (Einrenken) und Orthopädie darstellen soll: Jeder einzelne Knochen, jeder Muskel und jedes Band wird in seiner Form erkannt. Wirbel werden sanft an ihren Platz zurechtgerückt und auch so manches innere Organ zu einer harmonischeren Funktionsweise “überredet”.
Besonders geeignet – und beliebt – ist die Osteopathie daher bei Menschen, die es einerseits leid sind, alles selber zu machen, und andererseits nach einer Alternative zu orthopädischen Behandlungen oder stereotypen Knet-Massagen suchen. Chronische Nacken- und Rücken-Beschwerdler gelten als besonders erfolgreiche Kandidaten für eine osteopathische Behandlung. Noch ist der Begriff “Osteopath” in Deutschland allerdings nicht geschützt. Es ist deshalb wichtig, sich zu versichern, dass die Behandlerin oder der Behandler die meist 5- bis 6-jährige Ausbildung hinter sich hat, die zum “Diplom of Osteopathy” führt (erkennbar an einem D.O. hinter dem Namen).

Rolfing
Dr. Ida Rolf ist die Begründerin und hat aus Elementen von Osteopathie und Yoga diese Methode weiterentwickelt hat. Nach einer ausführlichen Begutachtung des Körpers arbeitet der Rolfer oder die Rolferin in einer Serie von meist 10 systematisch aufeinander aufbauenden Einzelsitzungen daran, den Körper wieder mehr “ins Lot” zu bringen. Mittels langsam schmelzenden Drucks von einfühlsamen Händen und Ellbogen des Behandlers werden oft jahrzehntealte Verklebungen und Verkürzungen gelöst, die sich in den bindegewebigen Muskelhüllen verfestigt haben.
Wem es nicht nur um eine momentane Entspannung oder Wohlfühl-Pause geht, sondern um bleibende Verbesserungen der Körperhaltung, für den bietet sich die tiefgreifendere Rolfing-Arbeit als erste Wahl an. Alle in Deutschland aktiven Rolfer haben eine mehrjährige professionelle Ausbildung hinter sich und werden als Praktizierende nur mit Zertifikat des durch Ida Rolf gegründeten Rolf Institutes zugelassen.

Craniosacrale Behandlung
Hier wird mit sehr feinen Eigenbewegungen der einzelnen Knochen des Schädels (lateinisch Kranium) sowie des Kreuzbeines (Sakrum) gearbeitet, die sich über die Rückenmarksflüssigkeit auf den ganzen Körper ausbreiten. Die Hände der Therapeuten arbeiten fast nur im “Flüsterton”, also mit sehr behutsamen und langsamen Berührungen.Wie keine andere Methode eignet sich diese Therapie für eine Tiefenentspannung des ganzen Menschen. Fast automatisch verfällt man bei der Behandlung in eine erholsame Entspannungs-Trance, bei der man nicht nur Zeit und Raum vergisst, sondern sich oft auch tiefsitzende Verspannungen in Nacken-, Kiefer- und Beckenmuskeln in Wohlgefallen auflösen.
Ursprünglich war die craniosacrale Behandlung in den USA nur fortgeschrittenen Osteopathen vorbehalten, die damit besonders bei Kleinkindern sowie bei verschiedenen Kopfschmerzstörungen beachtliche Erfolge erzielten. Heute gibt es hingegen bereits Wochenend- oder Videokurse zum Selbst-Lernen.

Egal ob Feldenkrais-Methode, Craniosacral oder Rolfing, eines haben diese modernen Körpertherapien alle gemeinsam: Sie fördern ein freundlicheres Verhältnis zum eigenen Körper. Anders als beim Sport und konventioneller Physiotherapie geht es weniger um eine Maximierung des äußeren Leistungsverhaltens des Körpers, sondern um eine bessere Eigenregulation von innen (Stichwort “Körperintelligenz”), verbunden mit einer Förderung der eigenen Körperwahrnehmung. Der zeitgenössische Denker Ken Wilber beschrieb unseren Nachholbedarf auf dieser Ebene einmal sehr treffend: ”Einige von uns haben den Verstand verloren, aber die meisten von uns haben ihren Körper verloren.”


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