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Ausgabe Januar/Februar 2004
Energetisches Sprachtraining

Die Kraft der Sprache in der Therapie

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„Wer tagein, tagaus seinem Trott folgt, wird irgendwann ein Trottel“ oder „Wer gewohnheitsmäßig von Problemen spricht, zeigt, dass er Probleme erwartet und bestellt sich mit diesem Denken immerfort neue.“ Zusammenhänge, die uns auf den ersten Blick nicht unbedingt bewusst sind: Lebensthemen kommen in unserer Alltagssprache zum Ausdruck. Gleichzeitig werden mit der gewohnten Ausdrucksweise alte Verhaltensmuster unbewusst aktiv aufrechterhalten. Wie Sie aus diesem Circulus vitiosus aussteigen, erfahren Sie von Mechthild R. von Scheurl-Defersdorf.
Wörter transportieren mehr als nur die gedachte oder beabsichtigte Information. Mit jedem Wort sind Erinnerungen gespeichert. Diese schwingen bei jeder Kommunikation subtil mit und wirken. Die Art und Weise, wie ein Mensch sich ausdrückt, hat demnach einen weitaus größeren Einfluss, als es den meisten Menschen bewusst ist. Es gibt Wörter, die aufbauen und auch solche, die herunterziehen. Diese Kraft gilt es, wiederzuentdecken und bewusst wahrzunehmen. Sie kann bei der Therapie und bei der Begleitung Angehöriger von großem Wert sein.

Immer mehr Ärzten und Therapeuten und auch Patienten wird bewusst, dass sie durch die Art, wie sie mit sich und anderen sprechen, die gesundheitliche Entwicklung beeinflussen. Sie sind bereit, die in der Sprache enthaltene Kraft bewusst einzusetzen. Oft haben bereits minimale Änderungen in der Ausdrucksweise eine starke Wirkung: „Sorgen Sie dafür, dass Sie jetzt viel Ruhe haben!“ meint das gleiche wie „Achten Sie bitte darauf, dass Sie jetzt viel Ruhe haben!“ Beim ersten Satz steht die Sorge am Anfang und beim zweiten die Achtung. Mit der Achtung steigt die Wertschätzung und mit ihr auch der achtsame Umgang mit sich und den Bedürfnissen des Körpers. Die neue Formulierung bringt gleichzeitig eine wohltuende Änderung der Mimik, der Gestik und des Tonfalls mit sich. Hier wird der Patient ganz anders mitmachen und so die Therapie aktiv mittragen.
Patienten, die ihre Sorgen hinter sich lassen wollen, werden bei der Therapie umso leichter Erfolg haben, wenn sie auch in ihrem Denken und Sprechen die Sorgen hinter sich lassen. Dies gilt auch für Wortzusammensetzungen und Redewendungen, die scheinbar eine andere Bedeutung haben wie beispielsweise „besorgen“, „versorgen“, „umsorgen“ und die „Vorsorgeuntersuchung“. Sie kommt vor der Sorge. Jedenfalls heißt sie so.

Krankheitsbilder kommen oft versteckt in der Alltagssprache zum Ausdruck
Nicht nur die Sorge, sondern auch Krankheitsbilder kommen in der Alltagssprache zum Ausdruck. Redewendungen wie „das juckt mich nicht“, „das geht mir auf die Nerven“, „ich krieg die Krise“ und viele weitere sind gängiger Sprachgebrauch. Sie alle spiegeln entweder bereits vorhandene oder vergangene Leiden oder sind aus Gewohnheit von jemandem anderen in den Sprachgebrauch übernommen worden. Solche Redewendungen werden in Familien von Generation zu Generation weitergegeben. Damit werden auch krankmachende Denkmuster weitergegeben. Neben diesen offenkundigen Parallelen zwischen Sprache und Symptom gibt es noch zahlreiche weitere, eher versteckte Zusammenhänge. Eine ehemalige Nierenpatientin sprach davon, dass sie oft Steine auf ihrem Lebensweg hat. Ihre Sprache war von Steinen und Felsbrocken geprägt. Bei Belastungen stand sie wie ein Fels in der Brandung, und in manchen Situationen war sie wie versteinert. Die Nieren waren gesund geworden. Die Energie der Steine war jedoch erhalten geblieben. Als ich ihr den Zusammenhang bewusst gemacht hatte, konnte sie ihren Wortschatz wandeln. Damit hörten dann endlich die vielen Hindernisse auf, und ihr Lebensweg wurde glatter.

Das Stottern hörte auf
Ein anderes Beispiel: Eine Stottertherapie führte mit einigen wenigen gezielten Änderungen im Sprachgebrauch der Eltern zu dem gewünschten Ergebnis. Das wesentliche Symptom des Stotterns ist das Hängenbleiben beim Sprechen. Ich leitete sie an, ihre Ausdrucksweise minimal zu wandeln. Eines der gewandelten Wörter war das „aber“. Die Eltern hatten die Angewohnheit gehabt, in jedem Satz „aber“ zu sagen. Mit dem danach folgenden Einwand bildeten sie immer wieder einen Ein-Wand. Nach anfänglichem Widerstand konnte ein Elternteil das „aber“ hinter sich lassen. Das Kind hörte prompt auf zu stottern.

Eine veränderte Wortwahl ermöglicht neues Denken und Handeln
Der bewusste Umgang mit der Energetik der Sprache sollte zu einem wesentlichen Teil eines ganzheitlichen medizinischen Ansatzes werden. Ein Arzt, der sensibel geworden ist für seine eigene Ausdrucksweise, kann Patienten und deren Angehörige leichter anleiten, ihrerseits sensibler mit ihrer Sprache umzugehen. Dieses „Heilmittel“ ist kostenneutral und hat keinerlei schädliche Nebenwirkungen.

Tipp: Die abgebildeten Karten sind aus:
Mechthild R. v. Scheurl-Defersdorf: Die Kraft der Sprache, Energetisches Sprachtraining, Kartenset: Redewendungen, InPäBS, 2001
Mechthild R. v. Scheurl-Defersdorf: Sprachkarten für Kinder und Erwachsene, Energetisches Sprachtraining, Kartenset: Denkmuster, InPäBS, 2001


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