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Ausgabe September/Oktober 2003
Der Weg der Liebe

Frank Fiess vom Institut für Lebenskunst & Tantra über das Institut und seine Angebote.

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Das Institut für Lebenskunst & Tantra von Frank Fiess und Vimalmani Kuhn ist in den 12 Jahren, die es existiert, zu einer Institution gewachsen. Seit 1997 finden in eigenen lichtdurchfluteten Räumen über den Dächern von Berlin die verschiedensten Veranstaltungen rund um das Thema “Lebenskunst & Tantra” statt. Über 8000 Menschen haben die beiden bisher unterrichtet und ab September 2003 wird als neues Projekt eine dreijährige Ausbildung angeboten. Im folgenden Interview stellt Frank die vielschichtige Arbeit und die Visionen vor, die sich dahinter verbergen.



Haidrun Schäfer: Das Institut für Lebenskunst & Tantra bietet ein facettenreiches Angebot: Was sind die Hauptpfeiler eurer Arbeit?
Frank: An unserem Institut gibt es vier Haupttrainings:
Das Jahrestraining für Frauen und Männer ist das Herzstück unserer Arbeit. Im Mittelpunkt steht ein intensiver Selbsterfahrungs- und Fortbildungsprozess, der alle Ebenen unseres Mensch-Seins gleichberechtigt integriert: den Körper, die Gefühle, den Geist und die Seele. Dabei beschäftigen wir uns mit dem ganzen Lebensbogen – von der Geburt über die frühe Kindheit bis zum Tod eines Menschen. Themen wie Selbst-Liebe, Selbst-Wert, tiefe emotionale Heilung, Grenzen, Kommunikation, Beziehungsfähigkeit, Kreativität und Berufung, Sinnlichkeit und Sexualtiät werden angesprochen und auch die Begegnung mit dem eigenen Tod und der eigenen Vergänglichkeit spielen eine zentrale Rolle.
Im Paar-Training geht es uns darum, den Paaren den Rücken zu stärken. Wir unterstützen dort Frauen und Männer, die verbindlich zusammen sind und oft auch Kinder haben, ihre Beziehung in Liebe zu erneuern und erfüllend zu gestalten. Das Paar-Training ist eine Einladung, unseren Geliebten, unsere Geliebte als Tür zur Liebe zu erkennen. Wir vermitteln und teilen mit den Paaren die sexuellen Geheimnisse des Tantra: bewusste Vereinigung, lange Vereinigung im Nicht-Tun, Verschmelzung, die heilige Verbindung von Sexualtiät und Spiritualität.
Das Frauen-Training mit Vimalmani ist aus dem Wunsch vieler Frauen entstanden, ihre weibliche Energie und Sexualität tiefer zu erforschen. Die Kernthemen des Frauen-Trainings sind: Emotionale Heilungsarbeit, die Begegnung mit dem kleinen Mädchen, die Begegnung mit Vater und Mutter, Selbst-Wert und Selbst-Liebe als Frau, Sinnlichkeit und Sexualität, Spiritualität und die Begegnung mit dem eigenen Tod. Im Kreis ihrer Schwestern schenken die Frauen sich selbst kraftvolle Heilungs- und Wachstumsschritte, um dann kraftvoll in die Welt zu gehen und auch in neuer selbstbewusster Form den Männern zu begegnen.
Zum Männer-Training kommen jedes Jahr 30-40 Männer aus ganz Deutschland zusammen, um ihr Mannsein zu erforschen. Die Hauptthemen des Männer-Trainings sind: Männliche Wurzeln und Identität, Selbst-Wert und Selbst-Liebe als Mann, Kommunikation, Beziehungsfähigkeit und Kreativität, die Begegnung mit dem kleinen Jungen und der eigenen Verletzlichkeit, die Begegnung mit Vater und Mutter, emotionale Reife, Sinnlichkeit und Sexualität, Feuerlauf sowie die Liebe zur Schöpfung und täglich praktizierter Spiritualität. Das Männer-Training ist ein einzigartiger Erfahrungs-Raum, der Männer einlädt, Heimat im Männerland zu finden und selbstbewusst und kraftvoll der Welt und den Frauen zu begegnen.

Zusätzlich zu diesen vier Trainingsgruppen bietet ihr Celebrations an. Was verbirgt sich dahinter?
Die Celebrations sind intensive Seminare zu Silvester, Ostern, Pfingsten und im Sommer, die zwischen 3 ½ und 7 Tage dauern. So findet z.B. jeden Sommer das einwöchige Tantra-Sommer-Intensiv “DIE INNERE SONNE ERWECKEN” in Korfu, Griechenland statt. Darüber hinaus gibt es Gruppen zu täglicher spiritueller Praxis, in denen wir Menschen Meditation lehren und es gibt das Seminar “ICH BIN”, in dem es darum geht, Menschen, die ganz klar Gott an die erste Stelle in ihrem Leben setzen und die tägliche Spiritualität praktizieren wollen, einen Raum zu schenken. Einmal im Jahr gibt es Massage- und Yogaseminare.

Das sind viele verschiedene Angebote. Wer waren eure Lehrer?
Wichtige Lehrer für uns beide für die Tantraarbeit waren Michael Plesse und Gabrielle St. Clair. Auch Margo Anand, Aman Schröter und Eva Szabo, die Sky-Dancing-Tantra lehren. Julie Henderson lehrte uns in der Erweckung des inneren Geliebten und tibetische Energiearbeit. Peggy Dylan war meine Feuerlauflehrerin und IBP-Integrative-Körperpsychotherapie nach Jack Rosenberg ist momentan ein wichtiges Lerngebiet. Frank Natale war mein erster Lehrer über sechs Jahre – er hat mich auf den Weg gebracht. Für Vimalmani war Rosalyn Bruyere eine wichtige Lehrerin, die sie in der Arbeit mit Chakren und feinstofflichen Energiekörpern unterrichtete. Die NLP-Akademie Schweiz war ein wichtiger Platz und auch die taoistische Richtung von Mantak Chia.

Euer nächstes Projekt ist eine Ausbildung, die drei Jahre dauert. Wen wollt ihr damit ansprechen und was kann man dort lernen, was über die anderen Seminare hinausgeht?
Ansprechen wollen wir alle Menschen, weil für uns jeder Mensch Lehrer ist – du bist Lehrer für dein Kind, ich bin Lehrer für mein Kind, ich bin Lehrer für die Verkäuferin und sie ist Lehrerin für mich – jeder von uns lehrt die Menschen, denen er begegnet. Wir richten uns an alle Menschen, die ihre Kompetenz auf der spirituellen, emotionalen, geistigen und körperlichen Ebene vertiefen möchten. Wenn der Mensch tief in sich ruht und spürt, was seine Werte sind in der Sexualität, in der Liebe und im Beruf, dann entsteht eine Richtung. Energie ist ein griechisches Wort und heißt ‘wirkende Kraft’. Wenn Energie keine Richtung hat, verflacht sie und stagniert. Deshalb ist die geistige Ausrichtung in der Fortbildung sehr wichtig. Sich täglich geistig ausrichten – wir haben jeden Tag etwa 50.000 Gedanken – auf das, was wir wirklich wollen.
Wir richten uns an Menschen, die spirituell reifen möchten, die spirituelle Praxis täglich in ihr Leben bringen wollen und die lernen möchten, Menschen auf ihrem spirituellen Weg in Liebe zu begleiten.
Körper, Gedanken, Gefühle und Seele sind die vier Ebenen in der Ausbildung. Die Hauptinhalte sind tantrisches Wissen, Körperpsychotherapie, Atem- und Körperarbeit, Arbeit mit Grenzen, humanistische Psychologie mit Themen wie Selbstwert, Kommunikation, das Lernen, Menschen zu motivieren, an sich zu glauben und unser ganzes Potential zu leben. Yoga und verschiedene Körpermeditationen zeigen uns einen Weg auf, wie wir Körper und Geist bis ins hohe Alter gesund und vital erhalten können.

Wie gliedert ihr die Inhalte der Ausbildung?
Das erste Jahr ist unser Jahrestraining, denn Selbsterfahrung am eigenen Körper und an der eigenen Seele ist die Basis für jede Arbeit als Lehrer/In.Das zweite Jahr umfasst die ganzen theoretischen Modelle des Weges der Liebe. Dazu gehört auch die Arbeit mit Charakterstrukturen: Wie arbeite ich z.B. mit jemandem, der eine rigide Struktur oder eine orale Struktur hat? Wir beschäftigen uns mit verschiedenen Modellen von sozialem Verhalten, Abwehrverhalten, von Masken und Schutzmechanismen. Inhalte des zweiten Jahres der Ausbildung sind auch: Arbeit mit Stimme, Klang, Gesang und Mantras, Chakrenarbeit, Erfahrung mit den Energiekörpern, Körper- und Atemarbeit, Yoga sowie Geistesschulung - tägliche Ausrichtung auf die Liebe/Gott, den Großen Geist durch “EIN KURS IN WUNDERN”. Im dritten Jahr teilen wir die Schätze, die wir in unserem 20jährigen Lernen und Lehren in den verschiedensten Zusammenhängen und Traditionen entdeckt und entwickelt haben. Fragen “Wie baue ich ein Seminar auf? Wie motiviere ich Menschen? Wie führe ich Menschen?” werden unter didaktischen Gesichtspunkten beleuchtet. Die Teilnehmer lernen, selbständig Übungen und Gruppen anzuleiten. Integrität und Ethik sind ein wichtiger Bestandteil des dritten Jahres, weil wir als Lehrer/In absolut integer und ethisch sein müssen, denn wir sind Vorbilder für Menschen. Mir ist die Übereinstimmung von dem, was wir lehren und dem, was wir sind, sehr wichtig. Das geschieht nur dadurch, dass ich es täglich praktiziere. Ich möchte Kanal sein für die Liebe, die die Menschen heilt. Es geht um Öffnung für den großen Geist/Gott – es geht darum, Kanal der Liebe zu sein.
Insgesamt sind es 60 Tage in den drei Jahren. Dazwischen gibt es immer Zwischentreffen und Kleingruppentreffen.

Wenn man Lehrer ausbildet, bildet man doch die eigene Konkurrenz aus?
Jeder Lehrer zieht die Menschen an, die zu ihm finden und die zu ihm kommen sollen. Auf der geistigen Ebene gibt es so etwas wie Konkurrenz nicht. Mir geht es nicht nur darum, eine neue Ausbildung anzubieten. Ich bin immer auch ein politisch–gesellschaftlich interessierter Mensch. Wir wollen unser Wissen und den Wert unserer Arbeit in die Firmen, Behörden, Fabriken, in die Krankenhäuser und Gefängnisse tragen. Ich will viele Menschen erreichen, so dass sie die Samen, die wir säen, in ihrem Alltagsleben zum Erblühen bringen.

Das Institut für Lebenskunst & Tantra beschränkt sich doch nicht nur auf Vimalmani und dich?
Nein, wir beide arbeiten mit einem Team von 50 ehrenamtlichen, erfahrenen Mitarbeitern, die auch die Abendgruppen leiten – montags Meditation, dienstags Tantra im Alltag, Tantra-Dance-Party, mittwochs Klassik-Meditation, Frauenabend, Männerabend, Chanting-singen – auch das macht das Institut zu einem spirituellen Kraftort, weil es für viele Menschen ein Stück Heimat in Freiheit ist. Im Lauf der Jahre sind so viele wertvolle Freundschaften, Beziehungen, Projekte und vieles mehr am Institut ganz natürlich gewachsen. Es berührt mich sehr, dass wir von so vielen Menschen unterstützt werden, einen Ort der Liebe zu schaffen, und es ist eine Ehre, dass diese Menschen hinter uns stehen und uns den Rücken stärken. Das ist das, was ich immer wollte: Einen Ort der Freiheit und der Liebe schaffen.

Noch eine letzte Frage: Seid ihr beide, Vimalmani und du, eigentlich ein Paar?
Vimalmani und ich waren ein Paar bis 1995. Dann haben wir die Form verändert und heute leben wir auf einem Grundstück: sie mit ihrem Mann und ihrem 5jährigen Sohn und ich mit meiner Frau und meinem 5jährigen Sohn. In der Mitte ist unser Garten, so dass die Kinder wie Brüder aufwachsen. Sie und ich sind einfach tiefe Seelengefährten.
Ich wünsche dir und euch noch weiterhin eine kraftvolle Arbeit und danke für das Gespräch in diesen wirklich schönen Räumen.


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