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Ausgabe September/Oktober 2003
Mond und Weiblichkeit

Xenia Fitzner hat die Mondfrauen ins Leben gerufen und schreibt über die Verbindung von Mond und Weiblichkeit.

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Seit zwei Jahren gibt es in Berlin eine offene Gruppe von Mondfrauen, die sich zu Neumond und Vollmond trifft, um gemeinsam die Mondkräfte zu feiern. Die Rituale und magischen Übungen sind mit dem Zyklus der Jahreszeiten und des Mondes verbunden.
„Am Anfang ... war eine sehr weibliche See. 250.000.000.000 Jahre schwebten alle Lebensformen im Ozean, genährt und geschützt von flüssigen Mineralien, geschaukelt von den Mondkräften Ebbe und Flut. Schon Charles Darwin vermutete hier den Ursprung des Menstruations-Zyklus als organisches Echo des Mond-Pulses der See.
Damit kompliziertere Lebensformen das Land erobern konnten, mussten sie zur Reproduktion einen ‚Miniatur-Ozean‘ erschaffen: Geschützt von der harten Eischale entwickelten sich die ersten Amphibien in der nährenden, salzigen Feuchtigkeit. Im Laufe der Evolution wurde der nährende, schützende Raum, die amniotischen Flüssigkeiten und der mondbestimmte Rhythmus in den individuellen weiblichen Körper übertragen.“


So beginnt das Buch „the great cosmic mother“ von Monica Sjöö und Barbara Mor, das leider nur noch über amazon auf Englisch erhältlich ist. Dieses Buch führte zur Erfindung der Mondfrauen: Eine tatsächliche Auffassung von Weiblichkeit als eine ursprünglich mit den großen Mächten der See und der Gestirne verwobene, schöpferische Macht.
Alle Schamanen, weisen Frauen, Hexen und Zauberinnen schöpfen ihre Kraft aus der Verbundenheit ihrer Körper mit der Grenzenlosigkeit des Ozeans, der nährenden Erde, der inspirierenden Luft und des verwandelnden Feuers und nutzen den Rhythmus des Mondes für ihre Absichten.

Neumond
Neumond ist die Zeit für Meditation über Neubeginn, neue Projekte, neue Einsichten und Qualitäten, die wir uns wünschen. Neumond ist auch die Zeit, dunkle Gestalten, Abgründe und Schatten zu integrieren, Verluste zu überwinden und Mut zu fassen. Mit Hilfe des Tarot oder anderen schamanischen Orakeln wird das Thema für die aufbauende Mondphase ergründet. Mit der zunehmenden Mondin, sobald die erste dünne Sichel kurz nach Sonnenuntergang sichtbar wird, kann Mondmagie gewirkt werden. Viele Mondfrauen haben sich damit ihr Geschäft gut aufgebaut oder ihren Geliebten angelockt.

Vollmond
Vollmond ist immer eine Vollendung, die mit Hexensuppe, Ritualen, Gesängen und magischen Kreisen unter freiem Himmel gefeiert wird. C.G. Jung beschrieb das archetypisch Weibliche mit den Worten: Meer, Mond, Dunkelheit, Ewigkeit/Grenzenlosigkeit. So ist es für die Mondfrauen sehr wichtig, die Scheu vor der Dunkelheit zu überwinden, nachts hinaus in den Wald zu gehen, mutig die Stimme zu erheben, ihren Willen und ihre Wahrnehmung zu ehren. Darin ist die Mondmagie konträr zu der christlich -beeinflussten Spiritualität: Das Licht wird nicht verherrlicht und die Dunkelheit nicht verteufelt. Der Geist wird nicht über den Körper gestellt. Es wird kein höheres, mächtiges Wesen, welches in irgendeiner Weise gnädig gestimmt werden muss, oder dem wir ausgeliefert sind, anerkannt. Mondfrauen gehen von einer Magie des Körpers aus. Wir sind relativ kurze Zeit in diesem sehr wandelbaren Körper auf der Erde. Der Körper hat sich dieser Erde in Äonen angepasst: Alles, woraus unser Körper besteht, ist irgendwann einmal auf der Erde gewachsen. Die Erde ist wahrhaftig unsere Mutter, die uns nährt und aufbaut. Deswegen achten Mondfrauen auch sehr auf ihre Ernährung.

Das Wissen unserer Zellen
Zudem wissen wir, dass der Körper zu 60-70 % aus Wasser besteht - die Erinnerung an das Urmeer, aus dem wir alle kommen, ist in unseren Körperzellen gespeichert. Mit der Luft, die wir atmen, sind wir mit Pflanzen, Tieren und Menschen verbunden - unser Atemmechanismus ist viel älter als unser Geist. Wir können ihm vertrauen und so zum ursprünglichen Atem zurückfinden, den die InderInnen ‘Prana’ nennen. Die Macht des Feuers, mit der wir Nahrung verbrennen und Energie gewinnen, in der wir wilde, rasende, schamlose Leidenschaft genießen, mit der wir zornig werden, um Veränderungen herbeizuführen, ist ebenfalls in unserem Körper. Die Mondfrauen nutzen das überlieferte Wissen der weisen Frauen, um frei und selbstbestimmt zu sein. Nach ein paar Mondritualen stellt sich die Körperseele auf den neuen/alten Rhythmus ein. So können wir effizienter mit unserer Energie umgehen und herausfinden, was der richtige Zeitpunkt für welche Unternehmungen ist. Wir können auch wieder lernen, die Unterstützung der Krafttiere und Ahnen zu nutzen, die den Menschen in allen Kulturen über Jahrtausende selbstverständlich waren und erst in jüngster Zeit „verloren“ gingen.


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