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Ausgabe September/Oktober 2003
Kreative Massage

Ulf Pape hat eine Massageform entwickelt, die er Relaxing Art Massge oder kreative Massage nennt. Sie setzt sich aus Elementen der klassischen westlichen, der Thai-Massage und Shiatsu zusammen. Haidrun Schäfer hat es ausprobiert und berichtet, was sich d

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Eine Massage ist eine Massage? Die Antwort ist eindeutig nein!
Mozarts Klavierkonzerte untermalen die dynamische Reise, auf die sich unsere beiden Körper begeben – jeder auf seine Art. Denn bei Ulf Pape ist es beileibe nicht so, dass nur mit zwei Händen massiert wird, nein, er massiert mit seinem ganzen Körper. Zwei Wärmflaschen liegen zu Anfang auf meinen Füßen, während Ulfs erste Beachtung meinem Rücken gilt. Er streicht aus und massiert, dehnt und akupressiert mal an Schultern, dann wieder an den Händen und dann wieder an der Wirbelsäule – seine fließenden und kraftvollen Bewegungen scheinen überall gleichzeitig zu sein. Kreative Massage nennt er seine Kombinationen aus Shiatsu, thailändischer und klassischer Massage.

Zusätzlich fließen Elemente aus dem Tai-Chi und Kung Fu in seine Bewegungen mit ein. Inzwischen liegen die Wärmflaschen auf meinen Nieren, strahlen wohlige Wärme auf einen entspannten Rücken, während Ulf sich meinen Beinen und Füßen zuwendet. Auch hier besteht die Massage nicht nur aus klassischen knetenden Griffen, sondern es ist eine Kombination aus Streichen und Dehnen, punktuellem Halten, Lockern und Klopfen. Es sind Techniken, die er in Thailand und Asien erlernte und die er weiterentwickelt hat mit dem Ziel, östliches und westliches Wissen optimal zu verbinden. Wieder wird mein Rücken bearbeitet, aber auch Arme und Hände, Nacken und Schultern. Ich spüre Handflächen und Handballen, Finger und Ellenbogen, Füße und Knie. Meine Augen sind geschlossen, aber ich nehme die fließenden Bewegungen wahr, die um meinen Körper streichen. Bei der traditionellen Thaimassage ist der Masseur – ähnlich wie ein Kampfkünstler – gleichsam locker und geschmeidig, zentriert und flexibel mit rhythmischen und fast tänzerischen Bewegungen. Die Kraft kommt nicht aus den Muskeln in Händen und Armen, sondern aus der Körpermitte, dem Hara. Deshalb ist eine meditative Grundhaltung des Therapierenden Voraussetzung. In Thailand entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte diese Massagekultur als integrativer Bestandteil der traditionellen Medizin. Sie wurde wesentlich durch Aspekte der aus Indien stammenden ayurvedischen Medizin geprägt. Mit der Verbreitung des Theravada-Buddhismus gelangten viele Elemente der traditionellen indischen Heilkunde nach Thailand. Der zweite Aspekt, der die Thaimassage beeinflusste, hat seine Wurzeln in der chinesischen Medizin. Die Akupressursysteme der Thaimassage sind Indiz dieser Verwandtschaft. Beide Einflüsse spiegeln sich in der energetischen Betrachtungsweise des Körpers als harmonische Ganzheit wider. Während der Massage verlagert der Therapeut den eigenen Körperschwerpunkt, um Druck auszuüben. Dabei ist der Rücken gerade und die Arme sind gestreckt. Bei den bisweilen exotisch anmutenden, dem Yoga entlehnten Dehnungstechniken passt sich sein Körper optimal an, so dass auch seine Flexibilität geschult wird. Inzwischen liege ich auf dem Rücken mit einer Wärmflasche im Nacken, die sich sehr angenehm anfühlt. Auch die warmen Hände, die sanft über meinen Bauch streichen, hier und dort akupressieren, fühlen sich wunderbar an. Das aus Japan stammende Shiatsu heißt wörtlich übersetzt “Druck mit dem Finger”. Beim Shiatsu wird also mittels Finger, Daumen, Handfläche, Ellenbogen oder Knie ein angepasster Druck auf die Körperoberfläche ausgeübt. Doch es bleibt nicht so ruhig, denn bald kommt wieder Bewegung mit ins Spiel. Ich bin zwar völlig passiv, habe aber das Gefühl, dass mein Körper richtige Arbeit leistet. Ulf bringt ihn in die unterschiedlichsten Positionen – ich wusste gar nicht, was für Bewegungsabläufe so möglich sind. Es ist ein ständiges Zusammenwirken von Akupressur, Massage, von Dehnung und Lockerung. Meine Augen sind immer noch geschlossen, aber die verschiedenen Positionen müssen als optisches Gesamtkunstwerk sicher sehenswert sein. Jeder Winkel meines Körpers wird miteinbezogen, wachgedehnt, massiert und gehalten. Die Kombination aus Passivität und trotzdem aktiver – auch geistiger – Teilnahme ist faszinierend. Ulf erzählt hinterher, dass jeder Mensch diese Massage anders empfindet: manche sind völlig entspannt, andere haben ein großes Bedürfnis nach Schlaf, während den dritten ein Drang nach Bewegung überkommt. Ich habe das Gefühl, dass mein Rücken länger und leichter geworden ist. Auch die Schultern sind ganz leicht und alles fühlt sich so an, als ob es optimal versorgt ist. Beschwingt laufe ich die Treppen herunter und stehe in der Sonnenallee – manchmal muss man in Neukölln einsteigen, um sich zu einer imaginären Reise in ein Land zwischen Thailand, Japan und Europa entführen zu lassen.


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