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Ausgabe Januar/Februar 2003
Erotik der Erkenntnis

Die Vision des Weges und der Sinn für LebensqualitätEin Beitrag zu Buddhismus im Alltag von Sylvia Wetzel

art20482
Wohl fühlen ist „in“ bei fast allen Menschen. Denken ist „out“ bei erstaunlich vielen Menschen, die sich einem spirituellen Weg zuwenden. Zulange haben wir ausschließlich auf den Verstand vertraut und die Sprache des Herzens verlernt. Wir trauen unseren Gefühlen nicht, wenn sie sich nicht mit unseren Ansichten vertragen. Wer nur auf Sachlichkeit pocht, sieht aber den Menschen gegenüber nicht mehr und hört auch nicht mehr auf das eigene Herz. Der spirituelle Weg soll uns von unserer Überdosis „Denken“ befreien und uns „wunderbare Erfahrungen“ von Stille und Frieden schenken. Leider klappt das nicht. Doch Denken ist nicht nur kalt und streng. Verstehen kann hoch-erotisch sein. Wir kennen alle das Gefühl der Erleichterung, wenn wir in einem Konflikt plötzlich „verstehen“, was geschieht. Wenn wir hinter einem chaotischen Verhalten plötzlich ein Muster erkennen, schießt Freude durch alle Zellen. Die Freude der Einsicht ist körperlich spürbar. Der pädagogische Eros ist eine Tatsache. Jedes Verstehen beglückt. Jedes gute Gespräch, bei dem wir uns erkannt fühlen und unsere Gedanken ausdrücken können, hat erotische Schwingungen. Wie können wir die Erotik der Erkenntnis für uns selbst entdecken? Seit Anfang 2002 befassen wir uns an drei, vier Wochenenden im Jahr mit der Struktur der buddhistischen Lehren, inspiriert vom tibetischen Stufenweg zum Erwachen (lamrim). Wir fragen uns, was hängt womit und wie zusammen? Und was hat das mit mir zu tun? Wir setzen in diesem „etwas anderen“ Studienkurs bei unseren eigenen Fragen an das Leben an und entdecken im Spiegel buddhistischer Thesen und Übungen, was wir selbst über Leben und Tod, wahr und falsch, Freude und Leid denken und wie wir unsere Erfahrungen damit interpretieren. Wir hören alte Weisheitsgeschichten und Gedichte, malen unseren spirituellen Lebensweg, singen Lieder über „Buddha-Natur“, sitzen und gehen in Stille und sprechen in kleinen Gruppen über unsere Erfahrungen und Ansichten. Jeder Kurs umfasst einen Abendvortrag und einen Übungstag. Im Februar-Kurs dreht sich alles um unsere Motive und Einstellungen auf dem Weg, um die kleine oder große Vision unseres Lebens und um den Sinn, den wir ihm geben: Warum wollen wir meditieren? Warum setzen wir uns aufs Kissen oder aufs Bänkchen? Warum machen wir Qi Gong oder Yoga? Was erwarten wir von Vorträgen und Übungen? Wohin soll das ganze führen? Was ist unser persönliches Ziel? Was halten wir von Erleuchtung, Erwachen, Befreiung?



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