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Ausgabe Januar/Februar 2003
Kräuter und Gewürze

Heimische Kräuter und Gewürze aus ayurvedischer Sicht

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Der Ernährungsspezialist Dr. Strunz bezeichnet Nahrungsergänzungsmittel als die „Gewürze“ des 21. Jahrhunderts. Ein Grund mehr, die eigentlichen Kräuter und Gewürze neu anzuschauen. Ein paar Anregungen von der Ernährungsberaterin Eva Wermelskirch

Gewürze und Kräuter - wie nutze ich sie?
Während frische oder getrocknete Kräuter aus Stielen, Blättern und Blüten bestehen, werden für Gewürze auch Samen, Kapseln, Früchte, Wurzeln und sogar Rinde verwendet. Um die Kraft der Kräuter und Gewürze zu nutzen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Am leichtesten ist es natürlich, sie mit der täglichen Nahrung zu verzehren: Frische Kräuter eignen sich gut als eigene Wildkräutersalate oder als Salatbeigabe, getrocknete Kräuter und Gewürze entfalten ihre Qualitäten am besten, wenn sie den Gerichten während des Kochens oder Bratens hinzugefügt werden.
Ein echter Kräuter-Power-Drink ist auch schnell gemacht: Einfach frische Kräuter wie z.B. Brennnessel, Löwenzahn und Petersilie in einen Mixer füllen, ein Glas gutes Wasser dazugeben und mixen und die Mischung durch ein Sieb geben - fertig ist ein leckerer Kräutershake, der zusätzlich noch eine stark entsäuernde Wirkung hat.
Wer täglich hohe Gaben seiner „Wunderheiler“ braucht, kann sich auch leicht selber eine Tinktur herstellen, im Winter z.B. wärmt eine Mischung aus Zimt und Anis wunderbar Körper und Seele.

Ayurvedische Aspekte
Die indische Gesundheitslehre geht davon aus, dass wir alle aus den folgenden drei Energien - auch Humore oder Doshas genannt - bestehen, und zwar idealerweise zu gleichen Teilen. Meist neigen wir aber besonders zu einer der drei Energien.

Kapha-Typen
sind eher ruhige und schwere Menschen. Ein Zuviel an Kapha lässt die Verdauung erschlaffen und kann sich als Depression zeigen. Viele Menschen entwickeln auch im Winter einen Kapha-Überschuss, da die kalten Temperaturen, der Sonnenlichtmangel und das häufig schwere, fette Essen Kapha steigern. Hier gibt es viele Möglichkeiten, diesem Überschuss entgegenzuwirken. Der Verzehr von Pittagewürzen, die das innere Feuer anschüren, sind wunderbar geeignet: Dazu gehören Ingwer, Basilikum, Nelken, Zimt, Bockshornklee und Dill. Als frische Zutaten, Tee oder eben Tinktur reduzieren sie die schwere Kaphaenergie und erhöhen zusätzlich Pitta, die Körperfunktionen werden angeregt und die Lebensgeister werden wieder geweckt. Auch Kekse und Plätzchen mit reichlich Zimt und Nelken wirken Wunder. Das ideale Getränk ist heißes Wasser mit ein paar Stückchen frischem Ingwer.

Vata-Typen
sind eher schmale und bewegliche Menschen. Ein Zuviel an Vata lässt die Haut trocken erscheinen und kann sich durch ständige „Unruhe“ äußern, aber auch Muskel- und Nervenschmerzen sind typisch. Majoran, Thymian und Sesam passen gut zu Vatamenschen. Sesam kann an Salate und Soßen gegeben werden, Thymian und Majoran können als Tee oder als Gewürze für leckere mediterrane Gerichte eingesetzt werden. Tip: Auch Honig kann man „Vata-tauglich“ machen: leicht erwärmen, etwas Thymiantinktur beimengen und wieder abkühlen lassen.

Pitta-Typen
sind aktive und eher drahtige Menschen, die schnell denken können. Ein Zuviel an Pitta zeigt sich in entzündlichen Erkrankungen und starkem Konzentrationsmangel. Da Pitta zum Feuerelement gehört, nimmt es im Sommer oft überhand und kann uns gereizt, schlaflos und allergie- und entzündungsanfällig machen. Aber auch hier kann man mit den Kräutern und Gewürzen Melisse, Fenchelsamen und Minze gegensteuern. Fenchelsamen kann man gut tagsüber zwischendurch naschen - sie stellen jedes Kaugummi in den Schatten und wirken nach den Mahlzeiten auch unterstützend auf Magen und Darm. Minze und Melisse eignen sich frisch hervorragend für einen Kräuter-Power-Drink, Minze ist außerdem ein Gewürz, mit dem man leichte Joghurtsoßen verfeinern kann. Alleine bei Pittaüberschuss sind Milchprodukte zu empfehlen: kühle Milch mit frischer Minze oder Melisse reduziert Hitze und beruhigt. Es eignet sich gut als Gute-Nacht-Getränk in warmen Sommernächten.

Eine weitere Bereicherung sind die sogenannten „Masalas“, ayurvedische Gewürzmischungen, die bereits fertig für die jeweiligen Konstitutionstypen Vata, Pitta oder Kapha erhältlich sind. Sie lassen sich als Tees aufkochen oder an Speisen geben, wie z.B. Linsen oder Körnergerichte.
Es lohnt sich, die verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten und Arten auszuprobieren: Kinder mögen z.B. gerne Kräutertees mit Honig, vielbeschäftigte Großstädter sind mit den zeitsparenden Tinkturen gut beraten, aber wer die Nährstoffe von Kräutern liebt, kommt nicht drum herum, sich Zeit fürs Kochen zu nehmen. Wer mehr für sich tun will, stärkt sich mit ayurvedischen Rezepten. Prinzipiell gilt: Alleine die Beschäftigung mit Kräutern und Gewürzen und die Freude am Zubereiten sowie die Ruhe, die hierfür nötig ist, hat bereits entspannende und somit regenerierende Wirkungen.


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