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Ausgabe Mai/Juni 2010
Streiten lernen lohnt sich
Einige praktische Hinweise von Johannes Philipp


Immer schon waren Menschen auch darum bemüht, andere Wege der Auseinandersetzung zu finden, Wege die nicht verletzen, die achtsam und rücksichtsvoll sind. Der Anspruch in unserer heutigen Gesellschaft ist in dieser Frage sehr hoch, aber die tatsächliche M

Und da es dabei auch in erster Linie um eine Frage der inneren Haltung, der persönlichen Lebenshaltung geht, ist das eigentlich auch nicht verwunderlich, da das ja auch etwas sehr Privates ist.
Der Weg in eine Partnerschaft, eine Gruppe oder in eine Gemeinschaft bietet uns die Chance, an den Auseinandersetzungen zu reifen und zu wachsen. Ein anderes Miteinander zu lernen.
Begeben wir uns auf den Weg in eine Gemeinschaft, egal ob im privaten oder beruflichen Bereich, so werden wir besser mit unseren Mitmenschen zusammenfinden und ein „WIR“ entwickeln können, wenn wir einer konstruktiven, gewaltfreien, Bedürfnis orientierten Streitkultur einen wichtigen Platz in unserem Bewusstsein einräumen.
Haben wir Angst vor Auseinandersetzungen oder neigen wir dazu, unsere Ruhe haben zu wollen und dem Konflikt aus dem Weg zu gehen? So kann es an dieser Stelle sehr hilfreich sein, sich selbst zu fragen, was wir mit unserem Frust eigentlich machen. Wie viel Kraft und Lebensenergie brauchen wir, um ihn zu unterdrücken? Um ihn auch morgen und übermorgen noch in Schach zu halten? Oft können wir den eigenen Schatten, unseren Anteil am Geschehen nicht erkennen und brauchen einen Spiegel, einen Menschen der unbeteiligt ist oder eine Gruppe, die uns offene Rückmeldung gibt, wo wir selbst verstrickt und in unserer Wahrnehmung gefangen sind. Im Austausch gelingt es leichter, die eigene Subjektivität zu erkennen und so manches Mal folgt ein befreiendes Lachen oder auch tiefe Traurigkeit über die eigene beschränkte Sicht.
Haben wir den ersten Schritt der „Nachbetrachtung“ des öfteren gemacht, allein oder mit einem anderen Menschen oder in einer Gruppe, so kann sich schon in der einen oder anderen Konfliktsituation während des Geschehens plötzlich eine neue Qualität und ein anderes Bewusstsein einstellen und uns neue Möglichkeiten der Reaktion eröffnen, die konstruktiver sind und den Bedürfnissen aller Beteiligten besser gerecht werden.
Schaffen wir es, mit offenem Herzen zuzuhören und dem Wunsch wirklich zu verstehen, was dem anderen auf der Seele liegt, dann ist bei unserem Gegenüber fast immer die Bereitschaft da, auch unser Anliegen zu hören und zu verstehen.
Es wird auch Rückschläge geben und Situationen, in denen wir wieder und wieder an unsere Grenzen kommen, aber haben wir es einige Male erlebt, wie heilsam ein Konflikt auch gelöst werden kann, dann wird uns das nicht davon abbringen, es immer wieder neu zu versuchen – wie Kinder, die laufen lernen und nicht aufgeben, auch wenn sie immer mal wieder hinfallen.

Johannes Philipp ist Mediator, Mitglied im Bundesverband Mediation und Gründer und Mitglied der MEDIATIONSWERKSTATT BERLIN, Stierstrasse 1, 12159 Berlin-Friedenau, 030-81 00 86 77,
weitere Infos unter www.mediationswerkstatt-berlin.de


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