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Ausgabe November/Dezember 2002
Fest der Liebe und der Gemeinsamkeit für Groß und Klein - ist das wirklich möglich?

Weihnachten - in unserer Kultur das wichtigste Fest des Jahres. Lassen Sie sich von ein paar unkonventionellen Tipps aus dem Ideenfundus von Arcia Dorothea Prill anregen.

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4.12.: Barbaratag
Außer dem großen Fest am 24. Dezember und den vier Adventssonntagen gibt es noch mehr Möglichkeiten, kleinere Feste vorher zu feiern. So z.B. den 4. Dezember, den Barbaratag. Ein alter Brauch besagt, dass zu Barbara geschnittene und in die warme Stube gestellte Kirschzweige, die zu Weihnachten blühen, Glück bringen, vor allem in der Liebe. Auch wenn man keine Kirschzweige findet, gibt es ja genug Zweige, die im Warmen blühen oder grünen, und darauf kommt es schließlich an.
Zum 4. Dezember passt es sehr gut zu räuchern, denn es ist traditionell der Beginn der Rauhnächte. Die Weih- oder Rauhnächte dauern bis zum 6. Januar und in dieser Zeit wurden früher Haus, Hof und Ställe ausgeräuchert. Wenn kein Kaminfeuer oder Feuer im Garten möglich ist, kann man etwas Räucherkohle auf Sand in einen kleinen Teller legen und anzünden. Wenn sie gut durchgeglüht ist, drei Wachholderbeeren drauflegen und sich am erfrischenden Fruchtduft erfreuen. Dazu kann man Weisheiten oder Orakelsprüche ziehen, die vorher auf Zettel geschrieben wurden.

6.12.: Nikolaus
Mir hat diese rutenschwingende, tiefstimmige Rauschebartgestalt nie richtig gefallen. Viele Geschichten ranken sich um ihn: wer er ist, wo er herkommt, was seine Aufgabe ist. Ich habe zur Abwechslung mal bei unseren keltischen Vorfahren nachgeschaut. Da zog der für ein bestimmtes Gebiet verantwortliche Druide zur Wintersonnenwende am 21. Dezember seinen roten Mantel an als Zeichen dafür, dass die Kraft der Sonne zurückkehrt, das Licht neu geboren wird und ab jetzt die Tage wieder länger werden. Im Gepäck hatte er einen großen Sack mit allerlei Heilkräutern und sonstigen Mittelchen sowie eine Rute aus Birkenreisig. So fuhr er mit dem Schlitten von Siedlung zu Siedlung, gab Kranken Medizin und strich die Menschen mit der Reisigrute aus. Birken haben eine große energetische Reinigungkraft. Besonders sorgfältig strich er die Kinder aus, die sich noch nicht richtig gegen negative Einflüsse wehren können.
Auf diesem Hintergrund lassen sich neue, andere Nikolausabende gestalten, die die Themen Schutz, Reinigung und Heilung zum Inhalt haben. Einen Tip habe ich aus dem Orient, wo das Räuchern mehr zum Alltag gehört. Schließlich brachten ja auch die Weisen aus dem Morgenlande neben Gold - dem Sonnenmetall - Weihrauch und Myrrhe - also exquisites Räucherwerk - mit. Man, frau, kind nehme wieder Unterteller, Sand und Räucherkohle, anzünden, Weihrauch, Myrrhe, Beifuß, Rosmarin oder Wachholderbeeren drauf, auf den Boden stellen, möglichst auf einem Metalltablett o.ä. wegen Funkenschutz, und anfächeln, bis es ordentlich qualmt. Dann steigt jeder ein paarmal langsam hin- und hergehend darüber, so dass der Rauch so richtig in die Kleider ziehen kann - ein altes und einfaches Reinigungsritual.

13.12.: Lucienfest
Am 13. Dezember ist das Lucienfest. Die Römer feierten das Fest von Juno Lucina, der Lichtbringerin. Und in den nordischen Ländern kommt Lucia, die Jul- oder Lichtkönigin mit dem Lichterkranz auf dem Kopf, geht durch das ganze Haus und erfüllt es mit Licht. An diesem Tag kann man besonders viele Kerzen anmachen, vielleicht auch mit den Kerzen durch die Wohnung gehen und Lieder singen, in denen z.B. Licht und Hoffnung vorkommen. Es müssen ja nicht gleich Weihnachtslieder sein - die Popmusik gibt da auch einiges her...
Vielleicht ist Zeit, zusammen eine Tischdecke zu gestalten, die dann an den Weihnachtstagen besondere Verwendung finden kann: Man nehme einen leichten Baumwoll- oder Nesselstoff in hellem Farbton, Stoffmalfarbe in verschiedenen Apfelfarben und ein paar nicht zu große Äpfel, die in der Mitte auseinander geschnitten werden. Jede Hälfte sollte nur für eine bestimmte Farbe benutzt werden. Die Farbe gebe man, frau, kind nach Bedarf in einen kleinen Teller, tauche die entsprechende Apfelhälfte hinein und bedrucke damit die zu gestaltende Tischdecke. Da kann sich z.B. jeder eine Ecke mit einer Farbe vornehmen oder man geht mit seiner Farbe im Uhrzeigersinn immer rundherum, bis alle das Gefühl haben, dass es genug ist. Dann noch Kerne reinmalen, trocknen lassen und von hinten bügeln, fertig. Diese Decke lässt sich sogar waschen. Vielen macht ja auch das Herumwerkeln mit Ton Spaß. Das Lucienfest ist geeignet, um z.B. Lucienleuchter zu machen: aus Ton faustgroße Kugeln formen, auf die Arbeitsunterlage klatschen, dass sie unten flach werden und mit dem Daumen eine Vertiefung für eine Haushaltskerze machen, trocknen lassen und später mit Gold eine Sonne darauf malen. Von einem Waldspaziergang habe ich mir kürzlich einen ganzen Sack voll heruntergefallener Kiefern- und Tannenzweige mitgenommen und bei einer meiner Lieblingsmusiken und Kerzenschein zu einer kräftigen Hoffnungswurst gewunden. Auf den üblichen Flitterkram hatte ich keine Lust, sondern habe sie mit herbstlichem Dekolaub geschmückt. Das leuchtet auch wunderbar. Seit jeher holten die Menschen in der dunklen Jahreszeit immergrüne Zweige in ihre Stuben, freuten sich an dem Duft, den sie verströmten und schmückten sie mit Flitter. Das erinnerte sie daran, dass das Leben auch trotz dunkelstem Winter weitergeht und die Sonnenstrahlen wieder länger scheinen werden. Statt das Übliche zu dekorieren, lassen wir uns doch einfach von unserer Phantasie oder der unserer Kinder leiten.

21.12.: Wintersonnenwende
Am 21. Dezember ist die Wintersonnenwende. Die Vorfahren haben große Feuer angezündet zum Zeichen dafür, dass das Licht zurückkehrt. Die ganze Zeit davor diente der Vorbereitung und der Freude auf diesen Tag. Wie wäre es am 20. Dezember - dieses Jahr ein Freitag - mit einem kleinen Abschiedsfest für die dunkle Jahreszeit: Wir können ein dunkles Tuch auf den Boden oder den Tisch legen und es in immergrün und rot schmücken. Zum Speisen würde sich ein richtiges Resteessen wie z.B. Eintopf gut eignen, auch mit Gemüse, das noch lagert. Zum Nachtisch vielleicht ein Obstsalat aus dem restlichen Obst. Dazu passen Abschiedslieder, die durchaus aus dem Pop-Fundus stammen können. Und am 21. wird richtig frisch eingekauft - vielleicht auch was Neues zum Anziehen. Oder man zieht sich etwas Rotes an - zur Feier der Wintersonnenwende.

24.12.: Julfest
Und an Weihnachten - Jul, wie es die Vorfahren nannten? Wie wäre es mit dem Backen eines richtigen Gebildbrotes nach altem Brauch - dem Anlass entsprechend in Form einer großen Sonne. Hefeteig machen und gehen lassen. Der Teig ist warm und kuschelig, klebt nicht so an den Händen und man kann schön damit formen. Für die Sonne mache ich immer eine Spirale. Dann kleine Spiralen drumherum mit dem Ende nach außen für die sich entfaltenden Sonnenstrahlen. Wenn das Gebildbrot fertig ist, nicht mehr gehen lassen, mit zerlassener Butter überstreichen und ab in den Ofen. Herrlicher Duft verbreitet sich, mal anders als Pfefferkuchen und Plätzchen. Nach dem Abkühlen macht sich die Sonne gut auf einem goldenen Teller oder auch auf der Apfeldecke. Die Sonne ziert die Mitte der Festtafel, die in den Sonnenfarben rot, orange, goldgelb und gold geschmückt ist. Die Speisen sind auch in diesen Farben gehalten. Der Augenschmaus ist die Vorfreude auf die Gaumenfreuden.Im Mittelmeerraum haben die Menschen traditionell schon in der Adventszeit eine Tellersaat aus Getreidekörnern auf einem Teller keimen lassen. Zu Weihnachten ist sie grün aufgegangen, wird jetzt mit einem roten Band umspannt und ziert die Tischmitte. Dazu ein schöner Tischspruch, bei dem sich alle die Hände geben: „Sonne, die’s hervorgebracht, Erde, die es reif gemacht, liebe Sonne, liebe Erde, euer nie vergessen werde!“ Und wir wollen nicht die Tiere vergessen, die Vögel, denen man ums Haus Futter streuen und Maisenkugeln in die Bäume hängen kann.Und wer die Weihnachtstage nicht nur mit Verwandtenbesuchen oder diversen Völlereien zubringen möchte, hier noch ein paar Tips aus der Tradition: Der 24. Dezember wurde gefeiert als die Nacht der Mütter, der Mutterkraft, der Kraft von Mutter Erde, die alles gedeihen lässt. Der 25. Dezember galt als die Nacht der Großmütter und der überlieferten Weisheit der Ahninnen. Der 26. war die Nacht der leiblichen Mutter. Die 27. Nacht und alle anderen Nächte bis zum 6. Januar gehören mir selbst. Man kann ja auf diese Weise die ganze Familie durchfeiern, besonders wenn jemand sehr krank ist oder noch sehr klein, oder auch schon sehr alt und bald zu den Ahnen gehört.
Ein Weihnachtsritual im Schnee
Es ist geeignet für alle, die gerne an Weihnachten draußen sind: Späht euch am Tag eine kleine Tanne oder Kiefer aus, die möglichst alleine und ganz frei steht. Der Schnee drumherum sollte unberührt sein. Wenn es dunkel geworden ist, geht ihr los. Mitgebracht habt ihr Gebäck oder deftige Brezeln, um sie an die Zweige zu hängen. Ebenso kleine Papierrollen, auf die ihr Weisheiten oder Orakelsprüche geschrieben oder Symbole gemalt habt. Steckt auch ein wenig passendes Futter für die Tiere ein. In den Händen habt ihr Teelichter, die in Gläsern vor Wind geschützt sind. In einiger Entfernung vom Ziel bleibt ihr stehen und macht euch bereit. Ab jetzt wird nicht mehr gesprochen, sondern nur noch gesummt. Ihr beginnt, um euren Baum eine Spirale zu ziehen und tretet dabei immer in die Spuren vor euch. Die Kinder gehen vornean. Am Baum angekommen, werden die mitgebrachten Dinge an die Zweige gehängt und die Lichter angezündet. Während ihr weiter um den Baum geht, werden laut oder leise drei Wünsche geäußert. Jeder nimmt irgendein Gebäck und eine Papierrolle vom Baum, der Inhalt wird vorgelesen oder gezeigt. Jetzt geht es wieder um den Baum herum, aber in die andere Richtung, und wieder zurück auf der Spirale nach außen. Jetzt darf ruhig auch gesprungen oder gehüpft werden. Der Nullpunkt in der Mitte ist überwunden, das Licht ist wiedergeboren und alle können sich freuen. Na dann: Fröhliche Weihnachten!


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