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Ausgabe November/Dezember 2002
„Die Funktion des Orgasmus“ im 21. Jahrhundert

Wilhel-Reich-Kongress

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Interview mit Manfred Dlouhy, Facharzt für Psychotherapeutische Medizin und Naturheilverfahren. Er ist 1. Vorsitzenden der Wilhelm-Reich-Gesellschaft, die im November den Wilhelm-Reich-Kongress in Berlin veranstaltet. Das Interview führte Volker Knapp-Diederichs von vkdnet internetwork.

VKD: Am 16.11.2002 veranstaltet die Wilhelm-Reich-Gesellschaft in Berlin einen Kongress. Warum dieser Kongress über Wilhelm Reich gerade heute?
MD: Reich starb Mitte des letzten Jahrhunderts. Er hat im Nachlass verfügt, dass erst am Anfang dieses Jahrhunderts, d.h. bis zum Jahr 2007, weitere wichtige Teile seines Nachlasses der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Uns geht es um eine Skizzierung dessen, was nach Reichs Tod mit seinen Ideen geschehen ist, wie Reichs Ideen nach seinem Tod weitergelebt haben, quasi ein update.
VKD: Ihr titelt den Kongress „Funktion des Orgasmus“ im 21. Jahrhundert. Wollt ihr damit provozieren?
MD: Ein zentrales Thema bei Reich ist die Sexualität. Eines seiner früheren Werke „Funktion des Orgasmus“ beschäftigt sich mit dem sexuellen Elend in der Gesellschaft seiner Zeit. Trotz der heutigen Hochglanzerotik existiert die sexuelle Frustration auch heute noch - nach wie vor. Es geht uns um die Sexualität in ihrer Funktion zur Verhütung von Neurosen, sozusagen als Neurosenprophylaxe. Uns geht es um die Frage, wie seelische Gesundheit und Sexualität zusammenhängen.
VKD: Ist Sexualität das Einzige, was euch an Reich interessiert?
MD: Das Besondere an Reich war, Sexualität als lebensenergetischen Prozess bzw. als wichtige lebensenergetische Funktion zu verstehen. Von daher steht die Lebensenergie im Zentrum seiner Forschung. Und von daher kommend hat er Aussagen gemacht zu verschiedenen Gebieten wie Medizin, Biologie, Psychologie, Soziologie und Pädagogik.
VKD: Wen wollt ihr mit euerem Kongress erreichen?
MD: Einfach interessierte, neugierige Menschen, ob als Laien, TherapeutInnen, MedizinerInnen, also alle, die an Themen wie Lebensenergie, Energie-Medizin, Gesundheit, befriedigende Sexualität Interesse haben und natürlich alle, die wissen wollen, was eigentlich hinter Schlagwörtern wie „Wilhelm Reich“, „Orgon“, „Funktion des Orgasmus“ steht.
VKD: Weshalb ist das Konzept einer Lebensenergie so schwierig und umstritten?
MD: Weil es an „wissenschaftlichen“ Beweisen mangelt, obwohl eigentlich jeder die Lebensenergie in irgend einer Form erfährt und andere Kulturen ihr ganzes medizinisches System darauf aufgebaut haben. Vielleicht aber auch, weil uns ein solches Konzept zwingt, uns persönlich mit einzubeziehen.
VKD: Also Vorkenntnisse in Sachen „Reich“ sind nicht unbedingt notwendig?
MD: Nein, natürlich nicht. Es wäre aber auch nicht falsch, wenn die Leute mit Vorkenntnissen oder auch Vorurteilen kommen würden, um diese mal zu überprüfen.
VKD: Ich habe gehört, es gibt am Abend noch ein Kulturprogramm?
MD: Ja, eine Theaterperformance - „Die Rede an den kleinen Mann“ - darauf freue ich mich persönlich schon besonders, weil es ein emotional sehr bewegendes Stück ist, Reich eben.
VKD: Ich danke dir für das Interview.


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