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Ausgabe Juli/August 2001
Das Mögliche leicht, das Unmögliche möglich machen

Feldenkrais/WaveWorks Seminar vom 3.-5.8.01

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Die Tänzerin Eva Geueke verbindet die Feldenkrais-Methode mit “Wave Works”, d.h. mit Atem, Stimme und Wellenbewegungen, um in die unbekannten Gewässer der inneren Welt vorzudringen. In dem folgenden Artikel berichtet sie über ihre Erfahrungen

Ich lernte die Feldenkrais-Methode vor mehr als 15 Jahren in New York bei Freunden kennen, die gerade eine Feldenkrais-Therapeutenausbildung machten. Ich wurde eingeladen, mich auf den Boden zu legen, um an einer Lektion teilzunehmen. Ich war fasziniert. Die auszuführenden Bewegungen wurden nicht demonstriert, sondern klar verständlich verbal angeleitet. Auf diese Weise wurden sie zu einer aufregenden Entdeckung - so wie bei einem Kind, das selbst herausfindet, wie es vom Bauch auf den Rücken rollt. In diesen 90 Minuten realisierte ich, wie wenig ich eigentlich über meinen Körper wusste, obwohl ich seit Jahren jeden Tag viele Stunden trainierte und auch, wie grob ich bisher trainiert hatte. Zum ersten Mal bekam ich die Gelegenheit, alle feinen Nuancen meiner Bewegungsabläufe zu beobachten. Während ich zum Beispiel langsam mit meiner Hand einen Kreis um mich herum auf den Boden malte, konnte ich spüren, wie Wirbelsäule, Kopf, Schultergelenk, Schulterblatt und Rippen zusammenarbeiten bzw. wo sie es nicht tun und die Bewegung anstrengend wird. Rippen wurden im Laufe der 90 Minuten konkrete, erspürbare Knochen, deren Bewegung die Bewegung meines Armes maßgeblich mitgestaltete. Der Kreis des Armes war nicht mehr nur ein von außen wahrnehmbares Bild, sondern ein kinesthetisch konkretes Gefühl von innen.
Die Feldenkrais-Methode steigert auf der körperlichen Ebene das Wohlbefinden, nimmt Schmerzen, rehabilitiert nach Unfällen und lehrt einen aufrechten Gang. Anstrengung und unnötige Spannung - Ver-spannung - werden abgebaut oder doch zumindest verringert, ebenso wie Steifheit und Unbeweglichkeit des Körpers. Die Methode verbessert die Koordination körperlicher Funktionen, unterstützt bei der Orientierung in Zeit und Raum. Ganz allgemein nehmen körperliche und geistige Beweglichkeit zu. Wir erfahren eine spürbare Verbesserung der Bewegungsqualität und -ökonomie (Eleganz, Koordination, Harmonie); wir lernen, unsere Kraft unserer Handlungsabsicht entsprechend einzusetzen.
Darüber hinaus stärkt die Feldenkrais-Methode Selbsteinschätzung und Selbstbewusstsein, indem sie die Fähigkeit fördert, stimmige Alternativen zu finden und komplexe Aufgaben zu erfassen und zu lösen. Gelassenheit, Vitalität, Harmonie in Tun und Denken stellen sich ein.
1989 lernte ich dann in San Francisco die Pionierin Emily Conrad kennen, die seit 20 Jahren in der ganzen Welt ihre Methode “Continuum” lehrt. Ich sah direkte Parallelen zur Feldenkrais-Methode: Der Grundgedanke, wie komme ich aus meinen Gewohnheiten zu denken und zu handeln heraus? Wie kann ich neue Möglichkeiten entdecken, neue Welten beschreiten und mich selbst als umfassender und genialer erleben, als ich gelernt habe, mich zu sehen? Nach regelmäßigen Studien mit Emily Conrad entwickelte ich aus diesen Erfahrungen “Wave Works”. In Wave Works unternehmen wir mit Atem, Stimme und Wellenbewegungen subtile und dynamische Erkundungen in bekannten und unbekannten Gewässern unserer inneren Welt. Das stimuliert neurologisches Wachstum und unterstützt unsere Gesundheit und Kreativität. Es entsteht ein Fluss von Bewegung in unseren Organen und Zellen, der uns an unseren ozeanischen Ursprung erinnert. Steif und unflexibel zu werden - auch geistig - bedeutet in gewisser Weise, dass wir austrocknen. Die Arbeit mit den Wellen kann diesen Alterungsprozess verlangsamen und umkehren. Durch die Wellenbewegungen wird unser Zellgedächtnis angeregt und wir können die uns innewohnende Intelligenz des Universums wachrufen. Diese Intelligenz wohnt in allem Lebendigen: im Ozean, in der Erde, in den Sternen, in unseren Zellen. Wave Works integriert viele Techniken der Continuum Methode, es fließen jedoch Elemente von Feldenkrais, Kreativem Tanz und Tao-Meditationstechniken mit ein

Dr. Moshe Feldenkrais (1904-1982), Physiker, Elektroingenieur und Judoka (er gründete den ersten Judoclub Europas in Frankreich), entwickelte seine Methode anfänglich, um sich selbst zu helfen. Er hatte eine schwere Knieverletzung, die seine Beweglichkeit sehr einschränkte, und begann, sich selbst das Gehen wieder beizubringen. Er sagte: “Das Ziel ist ein Körper, der mit minimaler Anstrengung und maximaler Effizienz organisiert ist. Das Ziel ist Bewegung nicht primär durch muskuläre Anstrengung, vielmehr durch wachsende Bewusstheit, wie es funktioniert.” Und: “Das Mögliche leicht machen und das Unmögliche möglich machen.”


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