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Ausgabe Juli/August 2002
Die drei Säulen des Lebens

Ausbildung in Ayurvedischer Massage

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Ayurveda, die Wissenschaft vom langen Leben, ist die älteste uns überlieferte Medizin. Mit ihrem ganzheitlichen Wissen um die Zusammenhänge von Körper, Geist und Seele ist diese in Indien beheimatete Weisheitslehre auch im Westen längst kein Geheimtip mehr, sondern ein vielfach angewandtes Gesundheitssystem, welches über hochwirksame Behandlungs- und Reinigungsmethoden, eine ausgereifte Pflanzenheilkunde und eine umfassende Ernährungslehre verfügt. Kerstin Rosenberg vom Mahindra-Institut schreibt über die drei ayurvedischen Säulen.


Im Ayurveda werden drei Säulen des Lebens beschrieben, auf denen die Gesundheit und Ausgeglichenheit des Menschen stehen: Essen, Schlaf und Sexualität. Damit erfüllen wir die Grundbedürfnisse der menschlichen Natur und lassen Körper, Geist und Seele miteinander verschmelzen und auftanken. Der ganzheitliche Aspekt und die konstitutionelle Ausrichtung der grundlegenden Verhaltensformen sind einer der wichtigsten Bausteine der ayurvedischen Lebenskunde und Medizin.
Die erste Lebenssäule:
Ein gesunder und vitalisierender Schlaf
Schenken wir unserem Körper die notwendige Ruhe, die er zur Regeneration und Erholung benötigt, so haben wir einen ständigen Zugang zu unserem eigenen Jungbrunnen. In der Nacht tanken wir uns mit neuen Lebensenergien auf, unsere Sinne beruhigen sich und unsere Sinnesorgane werden beruhigt und gereinigt. Im Ayurveda wird dem Schlaf mit seiner vitalisierenden Wirkung eine große Bedeutung für die regelmäßige Zellerneuerung, Gewebsbildung und Entgiftung zugeschrieben. Betrachten wir die verschiedenen Funktionen unserer Organe, des Nervensystems und des Stoffwechsels in der Nacht, so erkennen wir sehr schnell, dass der Schlüssel für unsere Gesundheit und Verjüngung unter anderem im richtigen Verhalten in der Nacht liegt. Viele Menschen leiden an Schlafstörungen, welche sich durch Nicht-Einschlafen oder häufiges Aufwachen äußern. Hier ist es sehr wichtig, früh genug schlafen zu gehen, um die nötige Schwere-Energie Kapha, die dem Erd-Element entspringt, zum Einschlafen zu nutzen. Eine heiße Milch mit Muskatnuss und Honig oder ein beruhigender Kräutertee mit Melisse, Baldrian und Fenchel vor dem Schlafengehen können eine wertvolle Unterstützung sein. Ein bewährtes ayurvedisches Hausmittel ist es, am Abend einen kleinen Einlauf mit warmem Sesamöl zu machen. Dies beruhigt das Bewegungsprinzip Vata im Organismus, wärmt den ganzen Körper und entspannt Darm und Nervensystem. Für diesen Nähr-Einlauf Basti werden 20 ml Sesamöl erwärmt und mit einer Einlaufspritze in den Anus eingeführt. Der Körper behält das Öl inne und scheidet den nicht resorbierten Rest erst am Morgen mit dem Stuhlgang aus.
Weitere Empfehlungen für eine entspannende Nacht:
- Ölen Sie sich am Abend die Wirbelsäule und den Nacken mit etwas Johanniskrautöl ein.
- Massieren Sie sich die Kopfhaut (mit oder ohne Öl) mit den Fingerspitzen wie beim Haarewaschen und geben Sie anschließend ein Tropfen Sandelholz auf die Stirn.
- Machen Sie eine kleine Abendmeditation und lassen Sie die Bilder des vergangenen Tages noch einmal Revue passieren. Finden Sie Frieden mit allen nicht so angenehmen Situationen und geben Sie Liebe, Licht und inneres Verzeihen in Ihre inneren Bilder hinein.
Die zweite Lebenssäule: Eine ausgeglichene Sexualität und Sinnlichkeit
Unser körperliches und seelisches Wohlgefühl wird stark von unserer Sexualität bestimmt. Der natürliche Umgang mit Sinnlichkeit, Sexualität und Freude ist bei der ayurvedischen Praxis sehr wichtig, denn viele innere Spannungen, Verkrampfungen und unterdrückte Gefühle haben ihre Ursache in einem disharmonischen Sexualleben. Ayurveda lehrt uns, dass alle Gefühle immer ihren körperlichen Ausdruck suchen. Egal welche Emotionen in uns sind, sie möchten gesehen und gelebt werden. Werden wir von negativen Gefühlen wie Wut, Hass und Ärger erfüllt, so rötet sich unser Gesicht, wir werden heiß und die Muskeln im Schulterbereich verkrampfen sich. Sind wir verliebt, so spüren wir ein warmes, vibrierendes Ziehen in unserer Brust, unsere Augen strahlen, das Gesicht wird von einem überirdischen Glanz durchdrungen und wir sind voller Energie und Lebenslust. Eine schöne und bereichernde Sexualität beginnt im Ayurveda mit der Reinigung und Sensibilisierung der Sinnesorgane. Hierzu dient die tägliche Morgenroutine, in der Sie Ihren Körper und Sinne auf ganzheitliche Weise reinigen:
- Trinken Sie jeden Morgen nach dem Aufstehen ein Glas warmes Wasser.
- Befreien Sie Ihre Zunge mit einem Teelöffel oder spezielen Zungenschaber von dem morgendlichen Belag.
- Reingen und aktivieren Sie die Augen, Ohren und Nase mit jeweils einem Tropfen Sesamöl. Benetzen Sie dazu Ihre kleinen Finger mit etwas warmem Öl und streichen Sie damit Naseninnenwände und die Ohrmuscheln aus. Die Augen sollten mit einem Tropfen Ghee (ayurvedisches Butterfett) aus der Spritzpipette benetzt werden.
Die dritte Lebenssäule: richtiges Essen für Körper, Geist und Seele
Durch die richtige Ernährung und eine ausgewogene Lebensweise ist jeder Mensch in der Lage, seine inneren und äußeren Kräfte zusammenzufügen und sein Leben in Gesundheit und Glück zu gestalten. Mit dem, was wir essen, entscheiden wir über die gesamte Versorgung des Stoffwechsels und haben einen elementaren Einfluss auf unsere körperliche Gesundheit, innere Zufriedenheit und ganzheitliche Schönheit. Unsere tägliche Nahrung repräsentiert die körperliche Gesundheit, aber auch den inneren Gemütszustand auf anschauliche Weise. Innerer Stress, Frustration, Langeweile oder Ärger regen unseren Appetit auf die unterschiedlichste Weise an und lassen uns die merkwürdigsten Dinge zu den merkwürdigsten Zeiten essen. Nach dem Motto: „Zeige mir, was du isst und ich sage dir, was du fühlst“ können wir anhand unserer Gelüste und Heißhunger-Attaken genau ablesen, welchen körperlichen oder seelischen Mangel wir erleiden.
Um seine Ernährung langfristig umzustellen und zu einer wirklich ganzheitlichen und gesunden Ernährungsform zu kommen, bedarf es deshalb mehr als eines Diätplans. Im Ayurveda wird die Ernährung individuell auf die Konstitution und das Agni des Einzelnen abgestimmt. Je nachdem, wie unser Verdauungssystem arbeitet und in welcher Dominanz die Doshas sich befinden, sollten bestimmte Nahrungsmittel mehr oder weniger gegessen werden, spezielle Kräuter eingenommen und ayurvedische Rezepte in unterschiedlicher Weise zubereitet werden. Wie alles im Ayurveda, beruht auch die Ernährung auf dem Ausgleich der im Körper vorherrschenden Eigenschaften. Mit den richtig zubereiteten Mahlzeiten geben wir uns alles, was uns fehlt und kommen so wieder in unser inneres Gleichgewicht. Je nach Konstitutionstyp neigen wir zu bestimmten Beschwerden und haben spezifische Eigenschaften und Neigungen, welche sich in unserem Lebensstil und unseren Ernährungsgewohnheiten widerspiegeln. Diese richtig zu interpretieren und liebevoll in Harmonie zu bringen ist die Kunst der ganzheitlichen Ernährungslehre.
Allgemeine Richtlinen der ayurvedischen Ernährung:
- Bereiten Sie Ihre Speisen mit Liebe und Sorgfalt zu! Das verstärkt die Energie spendende Wirkung unserer Nahrung und harmonisiert Vata.
- Essen Sie vielseitig und abwechslungsreich, um Ihrem Körper alles zuzuführen, was er benötigt, um sich zu erneuern.
- Versuchen Sie, in einem regelmäßigen Rhythmus zu essen, am besten drei Mahlzeiten am Tag, immer zur gleichen Zeit.
Das gleicht Vata in Ihrem Körper aus.
- Essen Sie erst wieder etwas, wenn die vorhergehende Mahlzeit vollständig verdaut ist.
- Bevorzugen Sie immer frische Nahrungsmittel, denn in frischem Obst und Gemüse sind die meisten Vitamine und Mineralien. Wenn Sie keine Möglichkeit haben, frisches Obst und Gemüse zu verwenden, weichen Sie auf getrocknete und gefrorene Lebensmittel aus. Die letzte Alternative sind Konserven.
- Achten Sie auf gründliches Kauen und Einspeicheln bei jedem Bissen, das ist Voraussetzung für eine vollständige Verwertung der Nahrung.
- Essen Sie langsam und in Ruhe. Das stärkt Pitta.
- Nehmen Sie täglich 1 Teelöffel Zuckerrohrmelasse zu sich. Am besten morgens in warmem Wasser gelöst, mit etwas frischem Zitronensaft.
- Obst ist der beste „Reiniger“ für den Körper und hat einen starken Einflussw auf das Kapha-Prinzip. Deshalb wird für viele Menschen morgens ein Obstfrühstück empfohlen. Hier gibt es allerdings auch eine Alternative, wie z.B. Porridge (Haferbrei mit Wasser).
- Trinken Sie genügend stilles Quellwasser (am besten warm) regelmäßig über den Tag verteilt und achten Sie darauf, dass es nicht zu kalt ist. Die optimale Flüssigkeitsmenge pro Tag ist durch die Aqua-Formel, Gewicht x 0,03 = Menge an Flüssigkeit pro Tag in Liter, zu ermitteln.
- Kombinieren Sie Ihre Mahlzeiten auf richtige Weise, so dass die Speisen leicht verwertet werden können. Hier ist es besonders wichtig, frische Früchte und Milch nur alleine einzunehmen, Milchprodukte niemals mit anderem tierischem Eiweiß zu mischen und Kohlehydrate und Eiweiße voneinander zu trennen.


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