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Ausgabe Juli/August 2002
Kräuterweih und Artemisia Mit Litha, dem Mittsommerfest, haben wir die Schwelle überschritten, hinter der die Tage langsam wieder kürzer und die Nächte länger werden, bis sie sich zur Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche am 21. September wieder angeglichen haben.

Seminare mit ARCIA Dorothea Prill

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Vom Fest des ersten Brotes und der Kornmume
Dieses Fest wird und wurde immer am 2. August gefeiert, und unsere AhnInnen nannten es Lammas: Dabei geht die Schnitterin mit der Sichel über das Kornfeld. Es ist noch nicht die ganze Ernte, denn die wird zur Herbst-Tag-und-Nachtgleiche gefeiert. Jetzt wird nur der erste Schnitt gesetzt. Deswegen heißt dieses Fest auch das „Fest des ersten Brotes“. Um unser täglich Brot zu essen, müssen wir die Ähren schneiden, was für die Pflanzen den Tod bedeutet - das alte Mysterium von ,stirb und werde’. Dies drücken auch die Farben rot und schwarz dieses Festes deutlich aus. Mit den ersten geschnittenen Ähren wird eine Figur gebunden und als Dankesgabe an die Kräfte der Wandlung auf den Acker gestellt - die Kornmume. Heute kann man Ährengarben als Dekoration kaufen, was der ursprünglichen Form und Bedeutung der Kornmume nahe kommt.


Kräuterweih ist das Fest der Erfüllung, der inneren Vorbereitung auf die Erntezeit und auf unsere persönliche Ernte in diesem Jahr: Was haben wir uns vorgenommen? Wie sind wir mit unseren Visionen und Ideen ins Leben hinausgegangen und was haben wir davon umgesetzt? Was sind jetzt die reifen Früchte? Und wovon will oder muss ich mich trennen? Ernten heißt auch abschließen und etwas beenden - damit wieder Neues wachsen kann. Die Norne Verdandi tritt jetzt auf den Plan: Sie schneidet den Faden ab, den Urd zu Samhain wieder zu spinnen beginnt und dessen Länge Skuld bis zur nächsten Kräuterweih bemisst.
Wir lassen die Arbeit ruhen und feiern uns als ArtemisiaWie die anderen Jahreskreisfeste lässt sich auch Lammas weltumspannend verfolgen: Die Römer feierten in dieser Zeit ihr Diana-Fest, Nordafrika feierte den Geburtstag von Isis und an vielen Orten wird heute noch die „Segnung der Boote“ (Fische als Ernte des Meeres) gefeiert. Die Frauen in Nepal z.B. lassen einen Tag ihre Arbeit ruhen und feiern sich als Göttinnen. Eine reizvolle Vorstellung! Wir wollen es ihnen gerne nachtun. Die christliche Kirche hat auf dem Konzil 432 n.Chr. in Epehesus auf dieses Fest Maria Himmelfahrt gesetzt - auf den Tag genau mit dem alten Artemiskult von Ephesus. Das war sicher kein Zufall, denn Ephesus gilt als Herkunftsort von Maria und spezieller Ort der Marienverehrung.
Kräuterweih
Zu Kräuterweih geht es noch einmal um 7 - 9 spezielle Kräuter: Sie werden - wie das Sonnwendsträußchen - gesammelt, im Ritual geweiht und in eine dunkle Ecke der Wohnung gehängt - zum Schutz vor Krankheiten und vor trüben Einflüssen in der kommenden dunklen Jahreszeit. Die zentrale Pflanzen sind natürlich das Getreide und die Ähren. Den Brauch der Kornmume als Symbol von Ceres, einer alt-römischen Vegetationsgöttin, habe ich bereits beschrieben. Ehrenpflanze ist jedoch die Königskerze. Sie kann bis zu über zwei Meter hoch werden, steht kräftig und kerzengerade und ist sehr beeindruckend - ein herrliches Sinnbild für unser Werk, das wir in diesem Jahr geschaffen haben! Ihre Aufgabe ist es, uns in schwachen Momenten den Rücken zu stärken. Ferner gehört unbedingt auch die Rose in den Kräuterstrauß: Sie erinnert uns daran, in Liebe unsere Ernte zu betrachten und in Liebe loszulassen.
Ich will in diesem Jahr das Fest der Schnitterin in einer Art Trilogie feiern. Im ersten Teil geben wir mit Ton - unter fachlicher Anleitung! - unserer inneren Göttin ein Form. Im zweiten Teil geben wir unserer Göttin einen Platz: den Göttinnenwinkel. Wir lernen, uns einen ganz persönlichen Altar als persönlichen Kraftort einzurichten und damit zu arbeiten. Mit diesen Voraussetzungen feiern wir dann im dritten Teil das Fest der Schnitterin, der Göttin der Wandlung: Mit einem aufgebauten Altar, mit Meditation und Ritual, mit Tanz, Gesang und Festmahl.


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