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Ausgabe Mai/Juni 2002
Sommer, Sonne und das Geheimnis des Feuers

Mittsommer-Sonnenfest

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Immer ist er lang und heiß ersehnt, der Sommer. Das Jahresrad rastet am 21. Juni an seiner 5. Station ein, dem Sonnenfest des Mittsommers. Es ist das Gegenstück zum Julfest am 21. Dezember, wo die Wiedergeburt der Sonne gefeiert wird. Im Juni hat sie ihre größte Kraft erreicht und die Natur beschert uns aus ihrem Füllhorn reichliche Frucht. Arcia Dorothea Prill schreibt über Litha, das Fest der Feuergottheiten, über Mittsommer und das Sonnwend-Sträusschen.

Litha - das Fest der Feuergottheiten

Litha - so hieß es bei unseren Ahnen und Ahninnen - ist das Fest der vollen Entfaltung. Diese Zeitenergie können wir uns zunutze machen, indem wir uns mit aller Kraft ausleben und unsere Ideen vollends nach außen bringen und sie umsetzen. Ein beredtes Sinnbild dafür ist die Sonnengöttin Amaterasu aus dem Land der aufgehenden Sonne. Die von ihr ausgehenden Strahlen beherrschen das ganze Bild. Die Sonne gibt uns Licht, Wärme, Wachstum und Nahrung. Erfahrbar und greifbar wird die Kraft der Sonne durch das Element Feuer: Das Feuer wärmt uns, es macht unsere Speise genießbar und es hilft uns bei der Herstellung vieler Dinge unseres täglichen Wohlstandes. Und wer hat nicht die beruhigende Wirkung erlebt, wenn man eine Weile in ein offenes Feuer gestarrt hat, sei es ein Lager- oder ein Kaminfeuer. Das Feuer hat reinigende Kraft: Es desinfiziert und es reinigt vor allem die Seele. So spielen bis heute große Ritualfeuer eine wichtige Rolle. Angefangen bei den Kelten und Germanen sind sie in Skandinavien heute noch beliebt und verbreitet. Auch das Springen über das Feuer reinigt und garantiert Gesundheit. Selbst das Vieh wurde zum Schutz gegen Seuchen zwischen zwei Feuern hindurchgetrieben. Litha ist somit auch das Fest der Feuergottheiten: Rhea, Vesta oder Hesta.

Sonnwend-Sträußchen

Zu Litha wird das Sonnwend-Sträußchen gepflückt. Es besteht insgesamt aus acht Pflanzen, wobei die wichtigste das Johanniskraut ist, welches ja inzwischen für seine sonnige Wirkung auf Gemüt und Körper hinreichend bekannt geworden ist. Johanniskraut speichert wie kaum eine andere Pflanze die Sonnenkraft. Des Weiteren sollte Löwenzahn nicht fehlen, ein Energiespender und Gesundheitsapostel der besonderen Art. Wichtig ist auch die Artemisia officinalis, der Beifuß. Bei dem Namen Artemisia taucht unweigerlich das Bild der vor Fruchtbarkeit überquellenden Artemis von Ephesus auf. Name und Bild weisen jedoch noch auf einen weiteren Aspekt von Litha hin: den Aspekt der Liebe. Artemis entspricht den Qualitäten von Aphrodite in ihrer reifen Form, also ein Fest besonders auch für die reifen Frauen jenseits der 50, die ihren Mittsommer im Leben erreicht haben: Zieht euch rot an wie das Feuer oder orange bis sonnengelb wie die Sonne, esst Erdbeeren und alles Rote und tut, was euch gefällt. Dann sind Amaterasu, die Sonnen-, Feuer- und Liebesgottheiten an eurer Seite. Früher - zu den Zeiten unserer AhnInnen - wurden nicht nur große Feuer entzündet, es wurde die ganze Nacht gefeiert, getanzt - und geliebt. Alle Beschränkungen des Alltags waren aufgehoben und Fauna, Flora und Humanitas schwelgten im Rausch des Überflusses.

Johannis der Täufer

Der christlichen Kirche war dieses Treiben offenbar ein Dorn im Auge, und sie belegte das alte Mitsommerfest kurzerhand mit dem Namen Johannes des Täufers - einem Extrem-Asketen und mehr als das Gegenteil zu der Jahreszeitqualität von Litha. Tanz und Ekstase wurden verboten und aus Litha wurde Johanni.

Wir feiern Litha dieses Jahr wieder mit einer einstimmenden Meditationen, einem Ritual, mit viel Tanz, mit Trommeln und Gesang. Und anschließend gibt’s wieder das rote Festessen.


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