aktuelle Seite: ARCHIV   
Jahr:
2020 | 2019 | 2018 | 2017 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | 2002 | 2001 |

Ausgabe März/April 2002
Der Mensch, das Licht und die Pflanzen -
Vorlesungsreihe mit Jochen Kirchhoff:


Naturphilosophische und tiefenökologische Perspektiven

art14929
Weiß der Mensch, was das Licht ist, was die Pflanzen sind und wie er als gestalthafte Einheit von Leib, Seele und Geist zu beidem steht? Das lässt sich nicht ernsthaft bejahen, jedenfalls soweit jene Bewusstseinslage berührt ist, die kollektiv herrscht und der auch viele „Esoteriker“ und „Spirituelle“ stärker verhaftet sind, als sie selbst wahrnehmen (wollen und wohl auch können). Die reduktionistische Naturwissenschaft - Zentralmotto: Alles Innen muss zum Außen werden - hilft uns wenig, hier ein vertiefteres Verständnis zu gewinnen. Eher ist sie ein überwältigender Ausdruck eines flächendeckenden „Verlusts der Wirklichkeit „ (Erwin Chargaff). Hinter Computerbildschirmen, vor abstrakten Zahlenkolonnen und Diagrammen verdampft oder verstrahlt das, was die Wirklichkeit ausmacht. Manchmal gewinnt man den Eindruck, als sei die kollektive Neurose, die das herrschende Bewusstsein bestimmt (verstanden als Abspaltung von Natur und Kosmos), ein gigantisches Ausweichmanöver vor der existentiellen Herausforderung, die im Verhältnis des Menschen zu Pflanze und Licht erkennbar wird.

Der sich für leidlich informiert haltende Zeitgenosse sollte einmal versuchen, folgende Fragen zu beantworten:

- Warum wachsen die Pflanzen eigentlich? Gibt es in ihnen, über das kosmische Licht vermittelt, einen antigravitativen Impuls?

- Was sind und wie entstehen pflanzliche Formen, organische Gestalten überhaupt? Welche Formungskräfte wirken hinter oder in der Lilie, der Rose, der Erle, der Kiefer etc.? Sind es Felder, sind es Seelen, sind es „höhere Intelligenzen“?

- Haben die Pflanzen ein höheres, vielleicht gar ein kosmisches Wissen und Bewusstsein, das ihre erstaunlichen Fähigkeiten und Funktionen erklären könnte? Können wir dieses kosmische Wissen und Bewusstsein kontaktieren, uns einschwingen darin (ohne unser Ichbewusstsein aufzugeben)?

- Was sind die eigentlichen Wirkkräfte in der Photosynthese, also der staunenswerten Fähigkeit der Pflanzen, über das Chlorophyll (den grünen Farbstoff) und mittels der Energie des Sonnenlichts Kohlehydrate aus Kohlendioxid und Wasser aufzubauen? Wo bleibt das Licht in der chemischen Formel, die das staunenswerte Ergebnis beschreibt, von dem unser aller Leben abbhängt?

- Wie kommt die Tiefenwirkung psychoaktiver Pflanzen zustande? Wie ist es möglich, dass bestimmte Pflanzen, wie immer verfeinert und destilliert, so weit reichende, ja grundstürzende und für den Erlebenden erschütternde Wirkungen auslösen können? Was sagt das aus über die stoffliche, feinstoffliche und nichtstoffliche Verbindung von Pflanze und Mensch?

- Sind wir im traumlosen Tiefschlaf gleichsam Pflanzenwesen (wenn wir nur die Leibebene einbeziehen)?

Alles spricht dafür, dass in dem subtilen Wechselspiel von Mensch, Licht und Pflanze ein Zentralbereich unserer Existenz berührt wird, den zu verstehen und geistig-existentiell zu erschließen eine Bewusstseinsaufgabe darstellt. Ist sie geleistet oder auch nur als Herausforderung begriffen worden? Alle Erfahrungen sprechen eher dagegen, von ersten tastenden Schritten in diese Richtung abgesehen.

Um der Herausforderung zu entsprechen, die hier aufscheint, bedarf es eines vertiefteren Verständnisses dessen, was das kosmische Licht ist (das bekanntlich als solches unsichtbar ist), welche formgebenden Kräfte das Licht aus der näheren und weiteren kosmischen Umwelt zur Erde hin übermittelt. Was ist dieses Licht, dass es die Schwerkraft mindern kann? Gibt es ein höheres oder anderes Licht hinter dem als physisch verstandenen? Es gibt Hinweise auf dieses „übersinnliche Licht“. Warum berühren uns viele Pflanzen ästhetisch, geistig, seelisch und spirituell? Haben wir eine Art Pflanzen-Selbst, das den Pflanzen „da draußen“ entspricht? Und wie steht dieses rätselhafte Pflanzen-Selbst (wenn es denn existiert, auch dafür spricht viel) zu den „äußeren Pflanzen“? Das Rätsel der Ernährung, das sich bislang jedem Reduktionismus entzogen hat, müsste hiermit zusammenhängen.

Psychoaktive Pflanzen sind menschheitsgeschichtlich - kultisch, rituell, religiös oder schamanisch - von kaum zu überschätzender Bedeutung (gewesen, - nur gewesen? Wie ist es heute?) Das rührt an das Mysterium der „Geistartigkeit der Stoffe“, wie das Samuel Hahnemann, der Gründervater der Homöopathie, genannt hat.

Erfolg versprechend und fruchtbar kann nur ein Zugang sein, der naturphilosopische, tiefenökologische und auch spirituelle Aspekte auf integrale Weise verbindet, und dies ohne ideologische Blickverengungen und nun wirklich meilenfern von jedweder „spiritual correctness“ (gleich aus welchem Lager). Wichtig erscheint mir, dass die Herausforderung zunächst einmal als solche verstanden und angenommen wird und nicht gleich der ideologisch-dogmatische Rucksack geöffnet wird für die (vermeintlichen) Antworten. Wer Antworten zu haben meint, ohne das tiefere Fragen, das immer existentiell ist, zugelassen zu haben, blockiert den Weg, auf dem allein Lösungen möglich wären, die gleichwohl nur Annäherungen sein können. Im Letzten geht es um Annäherungen an die Wirklichkeit, nicht mehr, aber auch nicht weniger.


Weitere Informationen werden im Archiv nicht angezeigt.