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Ausgabe März/April 2002
Anima und Animus - Das innere Schattenpaar

Workshop - mit Rahel. S. Fabian

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In jeder menschlichen Beziehung gibt es nicht nur zwei Menschen, sondern vier: In jeder Frau steckt ein Mann und in jedem Mann steckt eine Frau. Rahel S. Fabian schreibt über unsere inneren Partner.

Wir sind mit unserem inneren Partner ein Leben lang verbunden - werden wir uns seiner nicht bewusst, verleugnen wir seine Existenz. Dieses Verhalten hat nicht nur hochgradig destruktive Auswirkungen auf unsere persönlichen Beziehungen, sondern zugleich verleugnen wir auch die natürliche Bestrebung unserer Psyche zur Ganzheit hin. Wenn diese beiden inneren Partner ins Bewusstsein dringen, was oft im Gefolge mächtiger emotionaler Entladungen geschieht, treten unweigerlich Veränderungen in der Beziehung auf. Es wäre sicher spannend, eine solche Situation mittels eines Tonbandgerätes aufzunehmen, damit man sich selbt einmal während eines Streites hören und dabei die Stimme des Unbewussten vernehmen könnte, denn dann wären Anima und Animus keine abstrakten Begriffe mehr. Da diese Archetypen autonome Wesenheiten sind, die in der selben Haut wie wir stecken und zusammen mit uns existieren, ist es klüger, sie mit dem Respekt zu behandeln, den sie verdienen, statt anzunehmen, dass sie reine Theorie sind. Wie lebendige physische Partner können auch sie nicht beherrscht werden, ohne dass es zu heftigen Folgen unbewusster Sabotage kommt. Nur wenn man sich um Bewusstwerdung dieser Figuren bemüht, kann es im Individuum zu einer harmonischen Verbindung kommen.

Die Suche nach dem Inneren Partner ist verantwortlich dafür, wie wir das Leben angehen, entsprechend sind Anima und Animus Führer im tiefsten Sinne des Wortes. Sie sind unbewusste Mächte, eben Götter, wie sie die Vorzeit ganz richtig als solche auffasste, und sie verbinden den Einzelnen mit dem großen Erbe an kollektiven Bildern und Erfahrungen, das hinter seinem persönlichen Leben steht.

Helle und dunkle Seiten

Wie andere archetypischen Figuren besitzen auch Anima und Animus eine helle und eine dunkle Seite. Für den Mann ist es leichter, die helle Seite - Kreativität, Inspiration, Zauber - der Anima anzuerkennen, als ihre dunklere, wilde Seite. Letztere projiziert er oftmals auf tatsächlich lebende Frauen, die er dann als destruktiv und schädlich ansieht. Doch Licht kann ohne Dunkelheit nicht existieren. Die Anima verkörpert die gesamte kollektive Erfahrung des Mannes in Bezug auf die Frau und ist hochgradig verfärbt durch die Erfahrung, die der einzelne Mann mit Frauen gemacht hat, insbesondere mit seiner Mutter. Während die Essenz des Weiblichen gleich bleibt, ist das innere Bild für jeden Mann anders.

Wie die Anima besitzt auch der Animus eine helle und eine dunkle Seite. Seine helle Seite bringt Erleuchtung und Klarheit, Zielstrebigkeit und Stärke und seine dunkle Seite ist der Zerstörer, der Beziehungen abbricht und für den das Gefühl den Tod und die Kälte ewiger Isolation bedeuten kann. Auch der Animus enthält sowohl eine kollektive als auch eine persönliche Komponente. Letztere wird insbesondere durch die Beziehung zum Vater gefärbt, in der ersteren verkörpert sich die gesamte kollektive Erfahrung der Frau in Bezug auf den Mann durch die Jahrhunderte hindurch. Es gibt verschiedene Formen, in denen Anima und Animus erscheinen können, sei es nun als Kriegerin/Krieger, Königin/König, Heilerin/Heiler, Mutter/Vater etc. Erst wenn wir zu einem Verständnis der persönlicheren Eigenschaften unserer inneren Partner kommen, können uns jene Verhaltensmuster in unseren Beziehungen bewusst werden, an die wir uns halten. Letzten Endes sind es Anima und Animus, die über das Schicksal unserer Beziehungen bestimmen. Alles hängt davon ab, wie sehr man sich dieser inneren Partner bewusst ist, denn führen diese ihre Arbeit gänzlich im Dunkeln aus, ist das Ergebnis vorausbestimmt, egal welche Wahl der einzelne Mensch getroffen hat. Taucht ein bestimmtes Muster in unseren Beziehungen immer wieder auf, ist dies ein unmissverständlicher Hinweis darauf, dass die Anima oder der Animus im Unbewussten am Werke ist und das hilflose Ich in Beziehungen oder Situationen treibt, die verwirrend und schmerzhaft sind und sich auf erschreckende Weise wiederholen. Es ist klüger, den Ursprung dieses Musters in sich selber zu suchen als im Versagen des anderen Geschlechtes. Ob das Potential in unseren Beziehungen verwirklicht wird, hängt von unseren inneren Partnern ab.


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