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Ausgabe März/April 2002
Intuitives Feng Shui

Die Kompass- und die Form-Schule im Feng Shui - von Howard Choy

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Es gibt zwei Hauptschulen im Feng Shui: die „Kompass-Schule“, die eher analytisch vorgeht und die „Form-Schule“, die einen intuitiven Ansatz hat. Der australische Architekt Howard Choy schreibt über die Tradition beider Schulen - übersetzt von Peter Fischer.



Im Westen interessieren sich sehr viele Menschen für so genanntes „intuitives“ Feng Shui. Das führte sogar schon so weit, dass sich William Spear aus den USA diese Bezeichnung als Trademark schützen ließ. Tatsächlich gibt es auch historisch gesehen in China zwei verschiedene „Hauptschulen“ des Feng Shui: eine, die eher analytisch vorgeht und eine zweite, die versucht, einen direkten energetischen Einblick in eine Situation zu nehmen. Es gibt sogar zahlreiche Übungen, um diese Form der Wahrnehmung zu trainieren.

Nach der Song Dynastie (960-1279 n. Chr.) entstanden zwei verschiedene Schulen des Feng Shui:

- die „Li Xing Pai“ - „Formen Kraft Schule“ oder „Form-Schule“ und

- die „Li Qi Pai“ - „Struktur Qi Schule“ oder „Kompass-Schule“.


Die Form-Schule

Die Form-Schule soll aus der Schule des Yang Yun-Sung (874-888) aus der späten Tang Dynastie hervorgegangen sein. Sie war in den bergigen Gebieten von Kiangsi und Anhui sehr verbreitet. Ihre Methode beruft sich auf dem Studium der topographischen Merkmale der Umgebung, wie z.B. Berge- und Wasserläufe. In dem die „Form-Kraft“ eines Ortes in verschiedene Kategorien von Elementen eingestuft werden, kann der Feng Shui Praktizierende die Qualität des Qi Flusses bestimmen und den besten Ort der Plazierung z.B. für ein Haus bestimmen. So sind in Abb.1 als Beispiel die Fünf Planeten und die Fünf Elemente entsprechend ihrer Bergform dargestellt.


Die Kompass-Schule

Die Kompass-Schule basiert auf den metaphysischen Spekulationen der neokonfuzianistischen Kosmologie der Sung-Zeit. Diese Schule zeichnet sich dadurch aus, dass sie, wie der Name schon andeutet, die Richtungsaspekte eines bestimmten Ortes unter der Berücksichtigung der Beziehung zwischen den Fünf Wandlungsphasen, Acht Trigrammen, Himmlischen Stämmen, Irdischen Zweigen und deren Konstellationen beurteilt. Es wird gesagt, dass sie von Wang Ci (1030-1050) während der Sung-Dynastie entwickelt wurde. Die Kompass-Schule wurde vor allem in den topographisch relativ flachen Provinzen Fukien und Chekiang praktiziert.

Der Autor Steven J. Bennett versteht die Kompass- und die Form-Schule als „den jeweils intuitiven oder analytischen Ansatz“. Nach ihm wurde der „intuitive Ansatz durch die technische Bedeutung des Wortes `Intuition´ charakterisiert. Der Praktizierende versucht, die Wirkung seiner Umgebung so differenziert wie möglich „Wahr-Zu-Nehmen“. Durch die Bestimmung der Landschaftsformen und der Hügelkonfigurationen in einem Umfeld bestimmt der Feng Shui Meister das Muster des kosmischen Energieflusses, um so den Ort der Plazierung festzulegen. ... Die Praktizierenden der Kompass-Schule oder des mehr analytischen Ansatzes waren mehr mit der abstrakten Zeit und Raum Qualität eines Ortes beschäftigt. Sie griffen auf die Yin-Yang Analyse und die Fünf Elemente Theorie zurück, um eine energetische Situation zu bestimmen.“


QiGong und Tai Chi

Generell gesagt müssen diejenigen, die den intuitiven Ansatz vorziehen, die Fähigkeit entwickeln, mit den Objekten, die einen bestimmten Ort umgeben, zu „kommunizieren“. Um das zu erreichen, stehen dem Praktizierenden verschiedene Übungen zur Körper- und Energiewahrnehmung, wie QiGong oder Tai Chi, zur Verfügung. Durch sie können wir eine direkte „Einsicht“ in die Qi Muster der Umgebung und seiner Bewohner erlangen, ohne logisches Analysieren und Schlußssfolgerungen als Ausweg wählen zu müssen.

Ein analytischer Ansatz führt zu einer Untersuchung eines komplexen Ganzen, indem das Ganze in seine Bestandteile zerlegt wird. Er steht damit im Gegensatz zu einem holistischen/intuitiven Ansatz, bei dem die Einzelteile so kombiniert werden, dass sie ein Ganzes formen. Wenn der Feng Shui-Praktizierende der Kompass-Schule den energetischen Zustand des Ortes „liest“, verbindet er zueinander in Bezug stehende Häuser oder Berge sowie Flüsse und Straßen mit Hilfe eines Kompasses und interpretiert sie auf der Grundlage kosmologischer Prinzipien. Aus dieser Sicht ist die Kompass-Schule ein sehr abstraktes System und hoch interpretatorisch.


Komplementäre Aspekte

Zusammenfassend kann man sagen, dass die intuitive Form-Schule die Landschaft untersucht, in der Absicht die optimale Entsprechung der kosmischen Ordnung auf Erden wieder zu finden, während die Kompass-Schule die Richtungsfaktoren beurteilt, um die kosmische Ordnung durch abstrakte und metaphysische Konzepte zu manipulieren. Die Trennung der beiden Schulen bedeutet nicht, dass sie entgegengesetzte und widersprüchliche Disziplinen sind, sondern betont eher die komplementären Aspekte des Feng Shui. Heute benutzen die meisten Feng Shui Praktizierenden beide Methoden, um eine balancierte Lösung zu erreichen. Das heißt, eine Feng Shui Situation wird auf der Grundlage der kosmischen Ordnung interpretiert, um eine harmonische und balancierte Beziehung zwischen den materiellen Elementen und deren Benutzer im Raum-Zeit Kontinuum zu erlangen.


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