aktuelle Seite: ARCHIV   
Jahr:
2020 | 2019 | 2018 | 2017 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | 2002 | 2001 |

Ausgabe März/April 2002
Heute an morgen denken

Die neue Rente und ihre Förderung

art13164
Zur Zeit zieren einige Werbeflächen unserer Stadt Plakate mit Texten in spanischer Sprache oder mit Hieroglyphen, versehen mit der Frage: Kommt Ihnen das spanisch vor? Gemeint ist die neue Rentenreform. Lucia Riesterer von dem Finanzkontor informiert darüber, was sich verändert, wer betroffen ist und welche Chance die Riester-Rente bietet.
Die Rentenreform ist beschlossen. Jetzt stehen nicht nur die Einschnitte in der gesetzlichen Rentenversicherung fest, sondern auch die neue Förderung der betrieblichen und privaten Versorgung. Im so genannten „Drei-Säulen-System der Altersvorsorge in Deutschland - mit der gesetzlichen Rentenversicherung als Hauptpfeiler, der betrieblichen und der privaten Versorgung - sollen jetzt die zweite und dritte Säule ein deutlich größeres Gewicht bekommen. Für die/den Einzelne/n bedeutet dies; sie/er wird künftig mehr Eigenverantwortung für ihre/seine Versorgung im Alter übernehmen müssen. In der gesetzlichen Rentenversicherung gilt der ungeschriebene Generationenvertrag: Die Jüngeren zahlen für die Älteren. Dieses so genannte Umlageverfahren kann in Zukunft allein das heutige Versorgungsniveau im Alter nicht mehr sicherstellen. Im Jahr 2030 wird es fast ebenso viele Rentner geben wie Menschen im erwerbsfähigen Alter. Die private und betriebliche Altersvorsorge bieten die Chance, einen Teil der mit der Alterung verbundenen Lasten bereits heute zu schultern. Weitgehend unabhängig von Demographie und politischen Einflussnahmen steht ihr/ihm das im Laufe der Zeit angesparte Kapital im Alter mit Zins und Zinseszins zur Verfügung. Damit wird möglich sein, eine Versorgung im Alter auf heutigem Niveau, auch künftigen Rentnergenerationen in Aussicht zu stellen.

Renteneinschnitte: Wer ist betroffen?

Künftig werden alle Rentenarten der gesetzlichen Rentenversicherung langsamer steigen; dies trifft alle Versicherten und alle heutigen RentnerInnen.

Berufs- und Erwerbsunfähigkeitsrenten werden durch halbe und volle Erwerbsminderungsrenten ersetzt. Dies trifft alle Versicherten. Für diejenigen, die am 1. Januar 2001 jünger als 40 Jahre waren, wurde der Berufsunfähigkeitsschutz sogar ganz abgeschafft. Wer bei Berufsunfähigkeit abgesichert sein will, muss privat vorsorgen.

Auf die Witwen- und Witwerrenten werden künftig auch Einkommen angerechnet, die aus eigenem Vermögen stammen. Dies trifft alle Ehepaare, bei denen der ältere Partner am 1. Januar 2002 noch keine 40 Jahre alt war. Auch für Paare, die nach diesem Stichtag heiraten, gilt das neue Recht.


Welche Chance bietet die Riester-Rente und wie hoch ist die staatliche Förderung?

Eine Förderung können all diejenigen in Anspruch nehmen, die in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind: ArbeitnehmerInnen und Auszubildende, Wehr- und Zivildienstleistende, Selbständige, sofern sie in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind, Bezieher von Arbeitslosengeld oder -hilfe, Personen in der Zeit, für die Kindererziehungszeiten anzurechnen sind (pro Kind 3 Jahre), Pflegepersonal und geringfügig Beschäftigte, die auf die Versicherungsfreiheit verzichtet haben, Pflichtversicherte der Alterssicherung der Landwirte, Angestellte des öffentlichen Dienstes und Beamt/Innen. Gehört der Ehepartner dem begünstigten Personenkreis an, so kann auch der andere Partner mit einem eigenen Altersvorsorgevertrag gefördert werden, selbst wenn er/sie nicht pflichtversichert in der gesetzlichen Rentenversicherung ist.


Wie sieht die Förderung aus?

Die Förderung besteht aus zwei Komponenten: der direkten Zulage und dem zusätzlichen Sonderausgabenabzug. Der Anspruch auf Förderung beginnt am 1. Januar 2002 und baut sich in vier Stufen bis 2008 auf. Die Zulagen sind unabhängig von dem jeweiligen Einkommen. Sie setzen sich aus der Grundzulage und der Kinderzulage zusammen. Die volle Grundzulage beträgt im Jahr 2002 38 Euro. Für jedes Kind, für das man Kindergeld bezieht, gibt es im Jahr 2002 eine Kinderzulage von 46 Euro. Die Zulagen erhöhen sich alle zwei Jahre bis 2008 auf 154 Euro pro Versicherte/n und 185 Euro pro Kind. Beiträge für die zusätzliche Altersvorsorge können bei der Einkommensteuerveranlagung auch als Sonderausgaben berücksichtigt werden. Das Finanzamt prüft, ob diese Form der Förderung günstiger ist. Ist dies der Fall, bekommt der/die Begünstigte die über die Zulage hinausgehende Steuerermäßigung direkt erstattet. Mit Beginn der Förderung im Jahr 2002 können maximal 525 Euro, von 2004 an 1050 Euro, ab 2006 1575 Euro und ab 2008 2100 Euro an Beiträgen als Sonderausgaben vom zu versteuernden Einkommen abgezogen werden.

Wer in den Genuss der vollen Zulage gelangen will, muss im Jahr 2002 jedoch mindestens ein Prozent seines beitragspflichtigen Vorjahreseinkommens - einschließlich staatlicher Zulage - in die neue private Altersvorsorge zahlen. Dieser so genannte Mindestbeitrag steigt im Jahr 2004 auf zwei Prozent, im Jahr 2006 auf drei Prozent und im Jahr 2008 auf vier Prozent. Bei Personen mit geringem Einkommen und Kindern muss ein bestimmter Sockelbetrag geleistet werden. Je nach Einkommen und Familienstand reicht der Anteil der Förderung an der gesamten Sparleistung von ca. 20% bis ca. 80%. Entsprechend variiert der Beitrag, den die/der Begünstigte selbst aufbringen muss.


Ein Beratungsgespräch zu Ihrer persönlichen Situation, Höhe der Förderung, Steuerentlastung und für Sie sinnvolle Form der betrieblichen Altersvorsorge erhalten Sie unter u.a. Ansprechpartner.


Weitere Informationen werden im Archiv nicht angezeigt.