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Ausgabe März/April 2003
Design für die Persönlichkeit

Image-Beratung aus der Praxis für die Praxis

art13
Wie eine erfolgreiche Beratung aussehen kann, beschreibt Susanne Benthaus an dem Wandlungsprozess von Thomas Schramm, den sie unterstützt und begleitet hat.

Vorspann
Auf der Suche nach Hilfe für meinen lädierten Rücken kam ich zu Thomas Schramm, den mir unsere gemeinsame NLP-Trainerin empfohlen hatte. Voller positiver Erwartungen betrat ich die Räume seiner Praxis und wurde mit einem herzlichen Lächeln, einem offenen Blick und freundlichen Worten begrüßt. Zugleich fiel mein Blick auf eine völlig verwachsene Frisur, einen alten schlabberigen Pulli und eine ebenso ausgebeulte Hose von düsterer Farbigkeit. Und ich betrat einen Flur, der sich mit seinem schmutzig grauen Boden, dem zerfetzten Katzenbaum und den von Nikotin vergilbten Wänden im Licht einer kargen Glühbirne präsentierte. Meine spontane Reaktion war ein Fluchtgedanke, aber ich erinnerte mich an die Worte meiner Trainerin und trat unter erhöhter Wachsamkeit weiter ein. Auch das Arbeitszimmer wartete mit dem deprimierenden Charme des Flures auf. Ich sah staubige Pappkartons mit Büchern, abgewetzte Wände, schmutzige Fenster, einen schwarzen Deckenfluter und nahm auf einem alten weinroten Korbstuhl Platz. Und bei dieser Bewegung fiel mein Blick auf den Tod. Ein täuschend echt wirkendes Skelett lehnte in der gegenüberliegenden Ecke. Zum Glück erklang in diesem Moment wieder die freundliche, ruhige Stimme von Herrn Schramm, der sich nach meinen Wünschen erkundigte. So blieb ich und lag kurz darauf auf seiner Arbeitsliege. Dort erlebte ich die wohltuende Arbeit seiner Hände, welche mit Kraft, Sicherheit, Wärme, Einfühlungsvermögen und Präzision ihre Arbeit taten. Eine Arbeit, die ich nicht beschreiben konnte, aber das Ergebnis war ein unbeschreibliches Wohlgefühl in meinem Körper. Und meine Beschwerden waren auf geheimnisvolle Weise verflogen.

Kurze Zeit später nahm Herr Schramm meinen Service in Anspruch, weil die Entwicklung der Praxis hinter seinen Erwartungen zurückblieb. Als ersten Schritt machte ich mir ein genaues Bild der gegenwärtigen Situation. Thomas Schramm hatte im Laufe seiner über zwanzigjährigen Berufserfahrung eine neue Methode in der Körperarbeit entwickelt, die u. a. Bestandteile der chinesischen Medizin, Philosophie und Energiearbeit mit neuesten Erkenntnissen der holographischen Hirnforschung, mit schulmedizinischer Neurophysiologie und Feldenkraisarbeit verbindet. Die Räume spiegelten nichts von dieser Qualität wider und auch sein Engagement für Menschen und deren Wohlbefinden wurde durch seine Räume konterkariert.

Ziel
Im nächsten Arbeitsschritt musste das Ziel positiv formuliert festgelegt werden. Das Ziel von Thomas Schramm lautete: “Meine spezielle Art der Körperarbeit ist auf dem Markt bekannt, viele Menschen kommen von nah und fern. Die Menschen erfahren von ihren Selbstheilungskräften und profitieren von meiner Unterstützung auf ihrem Weg zu einem schmerzfreien und lustvolleren Dasein.”

Gestalt als Nachricht nutzen
In der nächsten Phase ging es darum, Gestalt als Nachricht zu nutzen, d.h. die Zielsetzung, die Qualifikation und Persönlichkeit von Herrn Schramm auf den ersten Blick erkennbar zu machen und für die unsichtbaren positiven Aspekte der Persönlichkeit eine Repräsentation in der sichtbaren Welt zu schaffen. In diesem Fall bedeutete dies eine Überarbeitung der Arbeitsbekleidung und auch der Räumlichkeiten. Als ich Herrn Schramm von meinen gestalterischen Ideen erzählte, stieß ich zunächst auf Ablehnung. Dieser oberflächliche Kram sei doch unwichtig und im Übrigen käme es doch auf seine Fähigkeiten in der Körperarbeit an. Also erklärte ich ihm zunächst, was er auf der kommunikativen Ebene mit den Menschen veranstaltet: Verbal erleben die Menschen eine liebevolle, sorgfältige, genaue, kompetente und klar strukturierte Kommunikation. Und die eigentliche Körperarbeit vermittelt ein Gefühl der Sicherheit, des Wohlbefindens, der Hingabe, der Präzision, der Wärme und der Befreiung von negativen Empfindungen. Zugleich wird die visuelle Wahrnehmung der Menschen ununterbrochen mit den gegenteiligen Informationen versorgt: lieblos, chaotisch, kaputt, zerstört, grell, sorglos, hart, trüb usw. lauteten die passenden Begriffe für den Zustand der Räume. Und selbst wenn die Menschen mit ihrem bewussten Verstand seinen Worten lauschen und ihren Körpergefühlen folgen, nehmen die Augen die visuelle Botschaft auf. Die Diskrepanz in diesen Botschaften führt zu einer mehr oder weniger bewussten Verunsicherung, löst Zweifel aus und greift so die Glaubwürdigkeit seiner Persönlichkeit und Arbeit an. Diese Erklärung leuchtete Herrn Schramm ein.

Gestaltungskonzept
Daraufhin entwickelte ich ein Gestaltungskonzept für seine Arbeitskleidung, das so aussah: Seine athletische Figur, der gut trainierte Körper, seine Beweglichkeit und Körperkraft werden durch eine V-Silhouette in der Linienführung seiner Bekleidung betont. Für ausreichende Bewegungsfreiheit und einen angenehm weichen Eindruck sorgen die Materialien Cord bzw. Strickjersey. In Anlehnung an weiße Arztkittel und als Hinweis auf seine vielfältigen schulmedizinischen Kenntnisse wird Cremeweiß als Basisfarbe gewählt. Professionalität, Kompetenz und Präsenz ist für viele Menschen mit der Sehgewohnheit Business-Anzug verbunden. Geprägt wird dieser Anzug von dem starken Kontrast helles Hemd - dunkler Anzug. Bei der Arbeitsbekleidung für Herrn Schramm wird deshalb der Cremeton von einem schwarzen Gürtel und schwarzen Socken kontrastiert. So bleibt der Business-Kontrast erhalten, aber die Härte und Strenge eines Anzuges wird durch die Umkehrung der Mengenverhältnisse von Schwarz und Weiß aufgelöst. Der Gürtel ist stilistisch so gewählt, dass eine fernöstliche Anmutung entsteht. Somit wird schon in der Arbeitskleidung subtil auf seine Fähigkeiten hingewiesen, die aus diesem Teil der Erde stammen. Ein gepflegter Haarschnitt und Bartwuchs spiegelt im Zusammenspiel mit dieser Arbeitskleidung seine Sorgfalt und Fürsorge wider.

Unbewusste Boykotteure
Auch für die Räumlichkeiten schuf ich auf ähnliche Art und Weise eine visuelle Übersetzung seines positiven Seins. Jetzt sollte die Realisation dieser Entwürfe stattfinden, doch zu meiner Überraschung bekam ich eine weitere ablehnende Reaktion: Das könne er nicht machen, das sähe viel zu gut für ihn aus. Durch spezielle Fragetechniken z.B. aus dem Bereich des Neuro-Linguistischen Programmierens fand ich nun Folgendes heraus: Als Junge hatte ihm ein Lehrer damit gedroht, dass er vom Gymnasium fliegt, wenn er sich weiter in den Vordergrund spielt. Daraus hatte der junge Thomas gelernt: “Wer die Aufmerksamkeit auf sich lenkt, wird vernichtet.” Dieser Gedanke war bei Herrn Schramm tief unbewusst gespeichert und steuerte so auf magische Art und Weise sein Leben. Also begannen wir, einen förderlichen Gedanken zu entwickeln und in seinem Gedankengebäude zu etablieren. Diesen Teil meiner Arbeit nenne ich Re-Design für den Bereich Mentalität. Für Thomas Schramm entstand der Leitsatz: “Menschen mögen es, wenn sie kompetente Unterstützung erfahren und kongruente Orientierung bekommen.” Damit war der Weg frei für eine zielgerechte Gestaltung seiner Räumlichkeiten.

Sprachverhalten
Natürlich haben derartige Leitsätze auch Auswirkungen auf das Kommunikationsverhalten. Bisher informierte Herr Schramm seine Klienten kaum darüber, welche Fähigkeiten er hat und welche Chancen für die Menschen daraus resultieren. Der neue Leitsatz macht diesen Informationsfluss möglich. Und da seine Körperarbeit in keine bekannte Kategorie einzuordnen war, gab er ihr jetzt einen eigenen Namen: “Die Schrammsche Methode”. Bei einer derartigen Umstellung treten meist Unsicherheiten auf. Schließlich haben sich über Jahre hinweg Gewohnheiten ausgebildet, die dem alten Gedankengebäude dienten. Deshalb nahm ich an einigen Gesprächen mit Klienten teil und notierte alle Abweichungen von seinem neuen Selbstbild. Zum Beispiel sagte er: “Frau Schmidt, dies ist keine physiotherapeutische Praxis im üblichen Sinn. Sondern hier will ich Ihnen eine ungewöhnliche Körperarbeit, ‘die Schrammsche Methode’, anbieten.” In diesem kurzen Statement finden sich mehrere destruktive Aspekte. Erstens führt die Informationsverarbeitung im Gehirn dazu, dass das Wörtchen “keine” als Information wegfällt. Das heißt, die spontan wahrgenommene Aussage lautet: “Dies ist eine physiotherapeutische Praxis im üblichen Sinn.” Zweitens verlegt das Wort “will” das Angebot der “Schrammschen Methode” in die Zukunft. Drittens ist der Fokus dieses Gespräches auf das, was war, ausgerichtet. Somit bleibt keine Zeit für die Beschreibung dessen, was jetzt ist. Sinnvoller ist also folgende Formulierung: ”Frau Schmidt, in dieser Praxis biete ich Ihnen eine neue Form der Körperarbeit an, ‘die Schrammsche Methode’. Hier bekommen sie ...”

Re-Design
In meiner Arbeit biete ich zielgerechte Veränderungen für die Oberflächenstruktur an, d.h. Veränderungen bei den sichtbaren und hörbaren Aspekten der Selbstpräsentation. Das kann die Gestaltung von Bekleidung, Räumlichkeiten, Make-up, Frisur, Körperhaltung etc. betreffen und/oder die unendliche Vielfalt alltäglicher Verhaltensweisen. Vielleicht liegen auch unbewusste Sprachgewohnheiten vor, die einen klaren und konstruktiven Kontakt zu den Mitmenschen erschweren. Das lässt sich mit der Vermittlung rhetorischer Fähigkeiten beheben. Manchmal geht es tatsächlich nur um Gestaltung und das Erlernen neuer Fertigkeiten und Wissensbestände auf diesen Gebieten. Häufig stellt sich jedoch heraus, dass unbewusste Denkstrukturen Lösungen und die praktische Umsetzung positiver Fähigkeiten torpedieren. Dann biete ich das Re-Design der Denkstrukturen, der Mentalität, an. Denn es ist die Kraft der Gedanken, die die Materie formt.
Für Herrn Schramm hat sich die bewusste Auseinandersetzung mit dem Selbst gelohnt. Heute sind wichtige Aspekte seiner Zielsetzung Realität. Er verfügt über eine schöne Praxis, fühlt sich wohl in seiner Arbeitsbekleidung und die Gespräche mit den Menschen verlaufen für beide Seiten klar und erfolgreich. Er kooperiert als gern gesehener Gesprächspartner und Kollege mit Heilpraktikern, Ärzten und anderen Spezialisten. Und täglich lernen immer mehr Menschen “die Schrammsche Methode” kennen. Das hört sich wunderbar an? Stimmt. Und die gute Nachricht ist: Das können Sie auch. Denn das können wir alle.


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