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Ausgabe Januar/Februar 2002
Rituale - Nahrung des Geistes

Das Bewegungsritual nach Anna Halprin

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Ebenso wie der Körper Nahrung braucht, brauchen Seele und Geist Rituale, um ganz zu bleiben. Der Körper muss es ausbaden, wenn der Geist nicht genährt wird. Die Nahrung der Seele ist das Symbol, während der Geist durch das Ritual genährt wird. Da der Mensch im Innersten Geist ist, liegt es nahe, dass wir uns immer wieder an unsere wahre spirituelle Identität erinnern lassen. - Stefanie Grube, Tänzerin, Bewegungspädagogin und Somatische Bewegungstherapeutin, berichtet in ihrem Beitrag über das Bewegungsritual nach Anna Halprin.

„Der kreative Prozess des Tanzes ist ein Zusammenspiel physischer, emotionaler und geistiger Kräfte.“ Dies war das Credo der Tanzlehrerin Margret Doubler, die Anna Halprins Tanzverständnis entscheidend geprägt hat. Durch das Studium und die Begegnung mit Tanzritualen der amerikanischen Indianer kam Anna Halprin mit der transformativen Kraft des Tanzes für persönliche und globale Ziele in Kontakt. Das von ihr entwickelte Bewegungsritual beinhaltet eine Bewegungsfolge von drei Stufen und gilt nicht als feste Formel, sondern als eine Grundlage, eine Meditationsform, um einen starken und flexiblen Körper heranzubilden. Es ist als ein Mittel gedacht, die Entwicklung körperlicher Beweglichkeit zu messen und Spannungen zu lösen - als eine Form von Selbstheilung von schwachen und verletzen Körperteilen. Es ist ein Geschenk an Zeit und Raum, um etwas für sich selbst zu tun.

So wie die Wirbelsäule Organisator aller Bewegungen im Bewegungsritual ist, so stellt die Atmung den verbindenden Fluss von einer Bewegung des Rituals zur nächsten her. Die Bewegungen des Bewegungsrituals I werden hauptsächlich im Liegen mit dem Bewusstsein für die Wirkung der Schwerkraft ausgeführt. Ritual II findet im Stand mit der Balance zwischen Schwerkraft und Aufrichtekraft statt - im Fallen des Körpers und dem Wiederaufrichten, sich weiterzubewegen und in Ruhe zu verharren. Das Ritual III, das in der Fortbewegung ausgeführt wird, nutzt hauptsächlich die Antriebskraft. Je weniger Widerstand diesen Kräften entgegengesetzt wird, desto mehr Energie wird in und durch die Bewegung mobilisiert. Dann übernimmt die Bewegung die Führung. Das Sich-Überlassen-Können in den Energiefluss der Bewegung und das bewusste Spiel mit der Gegenkraft, dem Widerstand, erzeugt ein Gefühl für rhythmische Phrasierung, einer Grundvoraussetzung für den Tanz.

Für mich wurde das Bewegungsritual ein Ort der inneren Einkehr und emotionaler wie spiritueller Erfahrung.



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